Sport : Tigerjäger und Chalets

Die 99 weltbesten Golfer treten beim letzten Major-Turnier an

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Von Stefan Liwocha

Los Angeles. Im amerikanischen Bundesstaat der 10 000 Seen, in Minnesota, dreht sich dieser Tage alles um Golf. Die Karawane der weltbesten Profis mischt Chaska auf, eine ruhige Kleinstadt südwestlich von Minneapolis. Dort werden die Spieler ab Donnerstag beim letzten Major des Jahres antreten. Die Werbestrategen haben sich – bezogen auf den Champion Eldrick Woods – für das Turnier den Titel von „der letzten Ruhmes-Chance“ ausdenken müssen, nachdem Woods ihnen mit seinem Missgeschick bei den British Open den Slogan vom „Grand Slam-Showdown“ vermasselt hatte. Dort, im schottischen Muirfield, hatte Woods gegen Sturm und Regen anspielen müssen, das schlechteste Ergebnis seiner Karriere abgeliefert und sich selbst um die Chance gebracht, die vier wichtigsten Golfturniere innerhalb eines Kalenderjahres zu gewinnen. In Chaska aber ist der Weltranglistenerste wieder Favorit und möchte das Jahr mit einem Triumph beenden. Bernhard Langer hingegen, abgerutscht auf Ranglistenplatz 29, hat weitaus kleinere Zielvorgaben: „Ich möchte den Cut schaffen, dann sehen wir weiter.“

Willkommen also in Chaska. 35 Bewirtungszelte hat die PGA entlang der Grüns aufgestellt. Weil es da Klimaanlagen, Champagner, Krabbencocktails und Truthahnbrust gibt, nennt man sie blumig Chalets und verlangt 135 000 bis 150 000 Dollar Miete. 160 Firmen haben zugegriffen und sich ein Plätzchen reserviert. Einkehren, Einlochen und Einsacken – viel Geld nämlich – gehen bei den 84. PGA Championship Hand in Hand.

Zehn Millionen Dollar Gewinn sollen allein die Chalets abwerfen. Verdienen werden die Veranstalter aber auch mit jenen 8000 Fans, die sich den Wochenpass für den exklusiven Wanamaker Club gleich 350 Dollar kosten lassen. Durch den Verkauf von 40 000 Tickets fießen weitere zehn Millionen Dollar in die Kassen der PGA of America, die zudem vom Fernsehsender CBS zwölf Millionen für die Fernsehrechte erhält.

Ort des Geschehens ist der Hazeltine National Golf Club. Dort, in weichen Sofas und luxuriösen Lounges, werden die Zuschauer bis Sonntag vor allem über Tiger Woods philosophieren. Der Fan-Kult um ihn ist ungebrochen. Als Woods am Dienstag eine Trainingsrunde spielte, strömten bereits morgens um sieben Uhr 5000 Fans durchs Eingangstor.

Das Turnier in Chaska ist deshalb so interessant, weil sich Woods, der in diesem Jahr bereits das Masters und die US Open gewonnen hat, hier als erster Golfer überhaupt den American Slam sichern könnte. Bisher hat es noch keiner geschafft, alle drei amerikanischen Major-Turniere in einem Jahr zu gewinnen. Noch ein wenig spannender wird das Turnier dadurch, dass 99 von 100 Top-Golfern der Weltrangliste antreten. Damit verfügt Hazeltine über das stärkste jemals versammelte Major-Feld. Dem Champion macht das nicht zu schaffen: „Wie ich gehört habe, erwarten einige, dass ich hier einen Durchhänger haben werde“, sagte er. Und gewohnt selbstbewusst dann: „Das amüsiert mich doch sehr.“

Auf dem „schweren aber fairen Platz“, wie Bernhard Langer gesagt hat, wird Superstar Woods mit dem Champion der British Open, Ernie Els (Südafrika), und Titelverteidiger David Toms (USA) auf die erste Runde gehen. Neben Woods werden die Fans aber auch auf Phil Mickelson achten. Der Amerikaner, der zwar schon 21 Turniersiege feiern, aber noch kein einziges seiner 41 Majors gewinnen konnte, ist als ewiger Verlierer eine Art sentimentaler Held der Massen.

Neben dem Amerikaner taucht immer wieder auch Sergio Garcia in der Liste der aussichtsreichsten Tiger-Jäger auf – allerdings hat auch dieser Jungstar bisher kein Major gewinnen können. Bei den vergangenen drei war der 22-Jährige jeweils unter den Top 10. Ob es diesmal klappt? Es wäre fast eine Jahrhunderttat, denn seit 1930 hat kein Europäer mehr bei den PGA Championship triumphiert. Die Fans in den noblen Chalets haben also wirklich alles: Champagner, Krabben und jede Menge Gesprächsstoff.

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