Titelverteidigertrainer : Kritik aus Deutschland tut Rehhagel weh

Marcel Reif, Günter Netzer und andere deutsche Fußballexperten haben Otto Rehhagel harsch kritisiert. Die harten Worte in seiner Heimat schmerzen ihn noch mehr als die Kritik, die er in Griechenland für die Niederlage und seine defensive Taktik einstecken muss. Und jetzt? Was soll er tun?

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Das tut weh. Otto Rehhagel mag gar nicht mehr hinschauen.Foto: ddp

Otto Rehhagel sei über die deutschen Reaktionen nach dem 0:2 gegen Schweden bei der Fußball-EM regelrecht verbittert, berichtete die griechische Zeitung „Ta Nea“ am Donnerstag. Die deutschen Medien sind mit der ängstlichen Taktik des früheren Bundesliga-Trainers nach griechischem Geschmack noch heftiger ins Gericht gegangen als die ohnehin schon überkritische Presse im Land des Europameisters. Gerade die großen Experten nahmen sich Rehhagel wegen seiner defensiven Taktik vor "Nur ein Wort zu Otto Rehhagels Griechen, und nur um mir Luft zu machen", schrieb Fernsehreporter Reif in seiner EM-Kolumne für den Tagesspiegel. "Es ist eine Frechheit, was Rehhagel anbietet, ein Diebstahl an Zeit und Lebensfreude. So, jetzt ist Platz für die schönen Dinge des Lebens." Dann wandte er sich lieber Portugal zu. Auch Günter Netzer, Europameister von 1972 und ARD-Experte, brachte seine Kritik plastisch auf den Punkt: "Es ist ja so furchtbar, es ist ja so furchtbar."

Derweil wird in Rehhagels Wahlheimat Griechenland vor der zweiten und möglicherweise schon entscheidenden Vorrundenpartie am Sonnabend (20.45/ live im ZDF) gegen Russland sowohl über die angebliche Müdigkeit gegen Schweden als auch über taktische Veränderungen gerätselt. Rehhagel wird sich erst am Freitag wieder äußern, aber kaum verraten, ob er nach der missglückten Variante mit fünf Verteidigern wieder auf das zuletzt meist gespielte 4-3-3-System umstellt. Etwas Anderes bleibt dem bald 70-Jährigen jedoch kaum übrig. Die Griechen müssen offensiver agieren, auch wenn Rehhagel meinte: „Natürlich möchten wir auch immer Tore erzielen, aber wir haben nicht so ein Offensivpotenzial, wie es Deutschland hat.“

Doch zumindest einen Versuch wäre es wert, obwohl bei der EM-Generalprobe gegen Außenseiter Armenien auch mit drei Angreifern nur ein 0:0 heraussprang. Möglich wäre der in der Vorbereitung erprobte Bundesliga-Sturm mit dem Nürnberger Angelos Charisteas, dem gegen Schweden zur Pause ausgewechselten Leverkusener Theofanis Gekas und Ioannis Amanatidis. Der Frankfurter Kapitän war gegen Schweden für einen zusätzlichen Abwehrspieler geopfert worden und kam nur in den letzten 20 Minuten zum Einsatz - ebenfalls ohne Erfolg. Amanatidis hatte offen Kritik an der Spielweise der Griechen geübt, fürchtet aber deswegen keine Disziplinarmaßnahmen. „Wir hatten die zusätzliche Anspielstation hinten und nicht im Mittelfeld. Das hat es erschwert, nach vorn zu kommen“, erklärte er. Die hohen Anspiele, davon viele auf Charisteas, hätten nichts gebracht. Wenn der Ball überhaupt verlängert wurde, sei er danach verloren gegangen, weil niemand dagewesen sei.

 „Wir hatten keine Kontrolle über das Spiel, unsere Pässe waren schlecht“, sagte der einstige Bundesliga-Torschützenkönig Gekas, der zweikampfschwach wirkte und sich für einen Einsatz gegen Russland nicht empfehlen konnte. Charisteas bleibt dagegen gesetzt. Der EM-Held von 2004 könnte von der rechten Seite anstelle von Gekas in die Mitte rücken. Auch Charisteas ist klar, dass am Samstag schon ein Endspiel ansteht. „Wir müssen versuchen, anders zu spielen und unser Bestes zu geben“, meinte er. Allerdings: Der letzte Sieg gegen Russland liegt fast 15 Jahre zurück, vor vier Jahren gab es auf dem Weg zum Titel die einzige Niederlage mit 1:2 gegen die Russen. (Tsp/dpa)

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