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Tod des Ex-Schiedsrichters : Manfred Amerell: Der vereinsamte Kämpfer

Manfred Amerell, der ehemalige Fußball-Schiedsrichter, ist ersten Erkenntnissen zufolge an einem Herzinfarkt gestorben. Hinter seinem Namen verbergen sich zwei Leben.

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Manfred Amerell.
Manfred Amerell.Foto: dpa

Was ist ein Leben wert? Wenn man seinen Beruf verloren hat, der Berufung war. Die Ehe zerbrochen ist. Das Geschäft pleite. Der Ruf dahin. „Ich lebe nicht mehr, ich existiere nur noch“, hatte Manfred Amerell, ehemaliger Fußballschiedsrichter, ehemaliger Schiedsrichter-Chef, ehemaliger Ehepartner, ehemaliger Hotelbesitzer, ehemals geachteter Mann, vor einem halben Jahr bekannt. Nun ist Manfred Amerell im Alter von 65 Jahren gestorben. Er wurde am Dienstag tot in seiner Wohnung in München aufgefunden, an den Folgen eines Herzinfarktes, wie die Polizei am Donnerstagmorgen mitteilte.

Eine endgültige Aussage zur Todesursache will die Polizei allerdings erst in ein bis zwei Wochen treffen, wenn das toxikologische Gutachten vorliegt und eine Vergiftung ausgeschlossen werden kann. Im Moment deute aber nichts auf ein Verbrechen hin. Die „Auffindesituation“ sei „nicht ungewöhnlich“, berichtete der zuständige Kriminaldirektor Frank Hellwig. Weder ein Unfall noch ein Suizid ließen sich daraus ableiten.

Eines aber erscheint schon jetzt offensichtlich: Der gelernte Hotelier und bekannte Schiedsrichter, der im Zuge eines den deutschen Fußball in seiner Gesamtheit erschütternden Sex-und-Lügen-Skandals im Februar 2010 seinen Posten als Schiedsrichter-Sprecher aufgeben musste (offiziell aus „gesundheitlichen Gründen“), starb einsam in der Wohnung im vierten Stock im Stadtteil Neuhausen. Eine Woche lang war er nach dem ersten Kenntnisstand der Ermittler schon tot, als ein Bekannter die Polizei alarmierte, weil er mehrfach versucht hatte, Amerell zu erreichen.

Türen und Fenster waren verschlossen, es gab keine Beschädigungen und die Heizung lief auf vollen Touren, als die Polizei die Leiche fand. „Der Briefkasten ist übergequollen“, sagt Hellwig. Wegen der großen Wärme in der Wohnung sei der Leichnam schon „in einem sehr schlechten Zustand“ gewesen. Erst bei der vorläufigen Obduktion am Mittwochnachmittag wurde Amerell anhand des Zahnschemas eindeutig identifiziert.

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