Sport : Tonnen im Nacken

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In unserer Serie widmen wir uns Körperstellen, die für Athleten in ihrer Sportart besondere Bedeutung haben. Heute: der Nacken in der Formel 1

Als der Komiker Stefan Raab aus dem McLarenMercedes-Doppelsitzer stieg, war ihm nicht mehr zum Lachen zumute. Sein Kopf war wie ein Flipperball durch das Cockpit geschleudert. Raab hatte bei seiner Fahrt im Jahr 2000 erfahren müssen: Beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven wirken in einem Formel-1-Auto Kräfte, die teilweise dem Fünffachen der Erdanziehung entsprechen.

Besonders betroffen ist der Nacken. Michael Schumachers früherer Fitnesstrainer Harry Hawelka erklärt: „Michaels Kopf wiegt normalerweise sechs Kilogramm, mit Helm sieben. Wenn er in voller Geschwindigkeit durch eine Kurve fährt, sind es fast 40 Kilo.“ Das passiert etwa 300 Mal pro Rennen, über die Saison betrachtet bewegen sich die Belastungen in „einem hohen Tonnenbereich“, sagt Simon Jones, der frühere Physiotherapeut des Rennstalls Arrows. „Um das auszuhalten, muss der Pilot seine Nacken- und Schultermuskeln trainieren“, sagt Fitnesstrainer Hawelka. Starke Nackenmuskeln helfen auch, einen Unfall zu überstehen. Trotz neuer Schutzvorrichtungen sind Genick und Kopf die verwundbarsten Körperteile im Motorsport.

Zwei bis drei Stunden verbringen Piloten täglich im Fitnessraum, einen Großteil dieser Zeit widmen sie dem Nacken. Nur so können sie auch zum Ende eines Rennens noch präzise Lenkmanöver durchführen. Untrainierte Menschen würden wegen der physischen Erschöpfung nicht nur die Konzentration verlieren und Fahrfehler begehen, sie würden nach zehn bis elf Runden ohnmächtig werden. Selbst die Piloten haben aufgrund der immer höheren Kurvengeschwindigkeiten inzwischen Probleme. „Ich habe beim Rennen in Brasilien Kollegen gesehen, die nach dem Rennen ihren Kopf nur noch mit Mühe halten konnten“, sagt Michael Schumacher. „Und mir selbst ist es auch schwer gefallen.“ chh

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