Sport : Tore für das Image

Deutsche Hockey-Frauen siegen zum EM-Auftakt 8:0

Marco Bosch

Berlin - Als Nationaltrainer Markus Weise und seine Spielerinnen der Hockey-Nationalmannschaft nach dem Mittagessen am Freitag aus einer Pizzeria bei Dublin kamen, bot sich ein überraschendes Bild: Sie saßen fest. Gelbe Parkkrallen prangten an den drei Kleinbussen des Teams. Weise konnte sich das nicht erklären: „Schilder haben wir jedenfalls keine gesehen.“ Wahrscheinlich hatten Weise und seine Spielerinnen nicht genau hingeschaut oder waren schon zu sehr in Gedanken mit dem ersten Gegner der Europameisterschaft in Irland beschäftigt. Dieser Gegner sollte sich dann allerdings als eine einfache Hürde erweisen: Gestern besiegten die Deutschen zum Vorrundenauftakt Schottland 8:0 (5:0). Fanny Rinne, Natascha Keller (je 2) sowie Anke Kühn, Kerstin Hoyer, Silke Müller und Marion Rodewald trafen für den Olympiasieger.

Für die Deutschen ist das Turnier von besonderer Bedeutung. Nachdem die deutsche Mannschaft überraschend 2004 in Athen die Goldmedaille holte, fand sie sich im Rampenlicht wieder, wurde gar zur „Mannschaft des Jahres 2004“ gekürt. Mittlerweile hat sich der Rummel gelegt. Um das Image des Feldhockeys zu pflegen, sind weitere internationale Erfolge wichtig. Trotz großer Veränderungen im Team erwartet auch Markus Weise dementsprechend viel von seinem Team: „Das Halbfinale ist Pflicht.“ Dass nur noch neun Spielerinnen aus der Olympiamannschaft dabei sind, sieht er nicht als Problem: „Natürlich kann das nicht zu 100 Prozent kompensiert werden, aber es ist auch eine Chance für die jungen Spielerinnen, sich durchzusetzen und Turniererfahrung zu sammeln.“ Siege sind nicht nur fürs Image wichtig, die Sportförderung des Bundes ist ein erheblicher Bestandteil des Etats, daher „sind wir zum Erfolg verdammt, um auch in Zukunft kontinuierlich weiterarbeiten zu können“, sagt Weise. Säulen der Mannschaft von Dublin sind Torfrau Yvonne Frank, die Abwehrspielerinnen Tina Bachmann und Marion Rodewald sowie Mittelfeldakteurin Natascha Keller und Spielmacherin Fanny Rinne.

Nach dem gestrigen Sieg spielen die Deutschen heute gegen die Ukraine. Gegen die spielstarken Engländerinnen soll es am Mittwoch um den Gruppensieg gehen. „Der wäre wichtig, um nicht schon im Halbfinale am Freitag auf Titelfavorit Holland zu treffen“, überlegt Weise. Die Niederlande haben nach der Final-Niederlage von Athen noch eine Rechnung mit den Deutschen offen, und dann ist die EM eine niederländische Erfolgsgeschichte: Bei den zurückliegenden sechs Turnieren holten die Niederlande fünf Titel. Weise erwartet, dass die Holländerinnen in ihrer Gruppe (Spanien, Irland, Frankreich) locker zum Sieg kommen und sich auch bis zum Finale durchsetzen.

Schaffen es die deutschen Frauen ebenfalls bis ins Finale, ist für den Trainer auch der Titel möglich: „Wenn alles stimmt, können wir jeden Gegner besiegen.“ Es wäre für Deutschlands Frauen nach dem ersten olympischen Titel der erste EM-Titel.

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