Torwart-Rotation bei Hertha BSC : Kommt ein Philip Sprint geflogen

Philip Sprint rettet Hertha BSC im Testspiel gegen Hannover 96 ein 0:0. Dabei war der Torhüter erst am Sonntagvormittag ins Trainingslager nach Belek gereist. Verletzungen seiner Kollegen machten es nötig.

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Von Berlin nach Belek. Philip Sprint machte seine Sache gegen Hannover gut.
Von Berlin nach Belek. Philip Sprint machte seine Sache gegen Hannover gut.Foto: Imago

Belek - Philip Sprint hat in den vergangenen Tagen eine weite Strecke zurückgelegt: Seine lange Reise hat ihn einmal von Herthas erster Mannschaft in die U 23 geführt – und umgehend wieder zurück. Am Sonntagmorgen ist der Torhüter noch in seinem Bett in Berlin aufgewacht, am Nachmittag stand er in Belek auf dem Fußballplatz, als die Berliner im Trainingslager zum Testspiel gegen Hannover 96 antraten. Eigentlich sollten sich die Torhüter Thomas Kraft und Rune Jarstein die Spielzeit teilen, stattdessen blieb Sprint 90 Minuten auf dem Feld.

„Er hat es sehr gut gemacht, hat Ruhe und Sicherheit ausgestrahlt“, sagte Herthas Trainer Jos Luhukay. „Kompliment an den Jungen – nach so einem Tag.“ Seinen großen Auftritt hatte Sprint eine gute Viertelstunde vor Schluss, als er einen Schuss von Tim Dierßen glänzend parierte. Etwas Glück war auch dabei, dass die Hannoveraner kein Tor erzielten. Edgar Prib und Artjoms Rudnevs (in der Nachspielzeit) trafen nur den Pfosten. Doch auch die Berliner besaßen einige gute Chancen. Allein Sandro Wagner vergab in der ersten Hälfte vier gute Möglichkeiten – in der zweiten traf er dann statt des leeren Tors den Außenpfosten. So endete das Debüt des neuen 96-Trainers Tayfun Kokut mit einem gerechten 0:0-Unentschieden.

Dass Philip Sprint am Sonntag auf dem Platz stand, war vor allem unglücklichen Umständen geschuldet: Thomas Kraft, die Nummer eins der Berliner, stand wegen Knieproblemen nicht zur Verfügung. Sein neuer Vertreter Rune Jarstein klagte über Schmerzen im Oberschenkel und wurde vorsichtshalber ebenfalls geschont. „Sorgen mache ich mir nicht“, sagte Luhukay. „Aber schön ist anders.“

In Jarstein als neuer Nummer zwei und dem 18 Jahre alten Marius Gersbeck als jugendlichem Herausforderer hat sich Hertha in der Winterpause auf der Torhüterposition völlig neu aufgestellt; am dritten Tag des Trainingslagers in der Türkei aber ist schon wieder alles ganz anders. Gersbeck reiste am Sonntagmorgen um halb sieben in die Heimat zurück. Eine MRT-Untersuchung soll heute Aufschluss über die Art seiner Knieverletzung erbringen. Als Ersatz wurde kurzfristig Sprint in die Türkei beordert, den Luhukay erst vor zehn Tagen in die U 23 relegiert hatte.

Grund zu ernster Sorge besteht allerdings erst einmal nicht. Kraft selbst geht davon aus, dass er schon heute wieder trainieren kann. Herthas Stammtorhüter hatte gegen Aarau am Samstag kurz vor der Pause einen Ball so unglücklich gegen den Fuß bekommen, dass sein Sprunggelenk wegknickte und in der Folge das linke Knie wieder schmerzte. Schon Ende des vergangenen Jahres hatte Kraft damit Probleme gehabt. Beim Hinrundenabschluss in Dortmund fehlte er wegen einer Innenbanddehnung. Auch deshalb hofft Luhukay, dass seine Nummer eins am Mittwoch gegen Borussia Mönchengladbach, im letzten Testspiel vor dem Rückrundenauftakt, wieder im Tor stehen kann. „Thomas braucht einfach ein bisschen Rhythmus“, sagte Luhukay.

Immerhin steht in dem 29 Jahre alten Jarstein jetzt ein erfahrener Ersatzmann bereit. Der Norweger gab am Samstag gegen Aarau sein Debüt für Hertha – und machte sich gleich um seinen neuen Arbeitgeber verdient. In letzter Minute lenkte er einen präzisen Flachschuss zur Ecke und bewahrte die Berliner damit vor einer Niederlage. „Ich lege nicht so viel Wert auf das Endergebnis“, sagte Jos Luhukay nach dem Spiel. Aber wie hätte das denn ausgesehen, wenn der Bundesligist das neue Jahr gleich mit einer Niederlage gegen den Drittletzten aus der Schweiz begonnen hätte? Stefan Hermanns

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