Tour de France : Bauke Mollema - der Spätstarter

Der Niederländer Bauke Mollema ist der ärgste Verfolger von Chris Froome bei der Tour de France. Dabei begann er als Fußballer.

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Voll am Anschlag. Bauke Mollemas Idole waren allesamt Fußballspieler.
Voll am Anschlag. Bauke Mollemas Idole waren allesamt Fußballspieler.Foto: dpa

Als Bauke Mollema 15 Jahre alt war, nutzte er das Rad noch, um damit zum Fußballtraining zu fahren. Seine Idole waren Marco van Basten, Frank Rijkaard und Ruud Gullit. Mit 16 bekam er sein erstes Rennrad, fuhr es aber einfach so für sich. „Erst mit 18 habe ich meinen ersten Wettkampf mit dem Rad überhaupt bestritten“, erzählte der Niederländer am Ruhetag und lächelte bei dem Rückblick.

Am Mittwochabend war er nicht mehr so gut gelaunt. Bei der 17. Etappe der Tour de France hin zum Wasserwerk Emosson an den Flanken des Montblanc verlor Mollema 40 Sekunden auf den Gesamtführenden Chris Froome. Doch noch immer ist der Spätstarter auf dem Rad der Verfolger Nummer eins vom „Real Madrid des Radsports“ heraus. Mit diesem Großkotzattribut versieht Tourpatron Christian Prudhomme gern den mit Geld nur so um sich werfenden Rennstall Sky um Titelverteidigers Froome. „Sie haben das Geld, sich die besten Rennfahrer zu kaufen. Männer, die woanders Kapitäne sind, sind bei Sky Helfer“, sagte Prudhomme. Und so recht wusste man nicht, ob der Tour-Boss das bewundernd oder abwertend meinte.

Mollema lässt sich nicht beeindrucken

Bauke Mollema, den Ex-Fußballer, schreckt das Radsport-Real in den schwarzen Hemden nicht. Von den Pokalwettbewerben seines alten Sports weiß er, dass die Kleinen schon mal die vermeintlich Großen schlagen können.Beim Presseempfang vor wenigen Tagen in der US-Botschaft in Bern erinnerte sich Mollema genüsslich, wie leicht es ihm am Mont Ventoux gefallen war, zu Froome aufzuschließen. „Es war nicht leicht, aber richtig schwer war es auch nicht, zu ihm zu gelangen“, sagte er. Darauf angesprochen, wie diese Etappe wohl ausgegangen wäre, wenn er und Froome sowie der dritte Begleiter Richie Porte nicht gestürzt wären, sagte er nur knapp: „Abgehängt hätten die mich sicher nicht. Und ich habe gezeigt, wie schnell ich unterwegs war.“

Mollema gibt sich im Duell mit Froome nicht auf.
Mollema gibt sich im Duell mit Froome nicht auf.Foto: dpa

Und wie er das zeigte. Am Mont Ventoux war Mollema der schnellste der Klassementfahrer. Seine mehr als anderthalb Minuten Vorsprung auf den mitgestürzten Froome wurden von der Jury allerdings neutralisiert. „Schwamm drüber. Was passiert ist, ist passiert“, sagte der Holländer. Aber an diesem Tag hatte er den Beweis geliefert, dass er mit den besten Kletterern nicht nur mithalten kann. Einen, den Kolumbianer Nairo Quintana, konnte er locker abhängen, den anderen, Froome, locker einholen.

Mollema strahlt viel Selbstbewusstsein aus

Der echten Herausforderer-Position fühlt sich Mollema mittlerweile auch nervlich gewachsen. 2013 war er schon einmal Tourzweiter vor den Alpenetappen. Im Hochgebirge verlor er aber Zeit. „Ich habe mich damals zu stark auf die ersten Gipfel konzentriert und hatte dann nicht mehr genug Kraft für die letzte Woche“, erklärte er die Unterschiede.

Dabei lässt ihn vor allem sein Steigerungspotenzial munter in die Zukunft blicken. „Ich bin spät in den Radsport eingestiegen und daher noch recht frisch. Mein Organismus kann sich noch weiterentwickeln“, sagte er. Gute Aussichten also für den Ex-Fußballer, die David schlägt Goliath-Geschichte auch für den Radsport erzählbar zu machen. Für die Tour wäre es schön. Und für einen niederländischen Sportler ist es im EM-Jahr 2016 wohl auch besser, kein Fußballer geworden zu sein.

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