Tour de France : Blendend im Ausblenden

Bernhard Kohl überrascht bei der Tour de France. Er ruht in sich selbst, Aufgeregtheiten in seiner Umgebung dringen zu ihm nicht durch.

Sebastian Moll
Kohl
Kohl verteidigte das Trikot des besten Bergfahrers. -Foto: dpa

JausiersKohl? Bernhard? Bevor der österreichische Radprofi mit nur sieben Sekunden Rückstand auf den zweiten Platz der Tour de France fuhr und diesen gestern auf der ersten großen Alpen-Etappe auch noch locker verteidigte, löste der Name außer bei intimsten Radsportkennern nur ein fragendes Stirnrunzeln aus. Der 26-Jährige, ein kleiner, unscheinbarer Mann, ist um eine Erklärung für seine Souveränität aber nicht verlegen. In breitem österreichischem Tonfall sagt er: „Ich denke, ich kann sehr gut Sachen ausblenden.“

Kohl beherrscht die Kunst, Dinge nicht an sich heranzulassen. Beispielsweise, was es für einen noch relativ jungen Rennfahrer bedeutet, kurz davor zu stehen, bei seiner erst zweiten Tour de France das größte Radrennen der Welt anführen zu können. „Wenn ich die ganze Zeit über das Gelbe Trikot nachdenken würde, käme ich ja nicht mehr zum Schlafen“, sagt er lapidar. Kohl ruht in sich selbst, Aufgeregtheiten in seiner Umgebung dringen zu ihm nicht durch. Am liebsten ist der gelernte Kaminkehrer mit sich und seinen Gedanken alleine. Sein Handy, gesteht er, habe er schon seit Tagen nicht mehr angeschaltet.

Auch im Training geht Kohl seine eigenen Wege. Während seine Mannschaftskameraden im Winter auf sonnigen Baleareninseln gemeinsam Kilometer schrubben, geht er auf Skitouren in den Dolomiten oder im Glocknergebiet. „Ich liebe die Ruhe in den Bergen“, sagt er. Zur Vorbereitung auf die Tour de France hat er im Juni sämtliche Bergetappen erkundet – ohne Mannschaftskollegen, nur mit einem alten Schulfreund, der ihn von einem Begleitauto aus betreut hat.

Die Diskussionen um seinen Sport und um das Doping vermag Kohl genauso abzuspalten wie alles andere. „Ich muss das doch von mir fernhalten, wenn ich mich hier auf meinen Job konzentrieren möchte“, sagt er. Seine Meinung dazu deckt sich mit der derzeit offiziellen Sprachregelung der Tour, die da lautet: Das System funkioniert, wir sind auf einem guten Weg. Bernhard Kohl stand in den Jahren 2005 und 2006 beim Team T-Mobile unter Vertrag. Männer wie Alexander Winokurow, Jan Ullrich und Matthias Kessler fuhren zu der Zeit auch dort. Doping? Vielleicht war es ja wirklich so, dass Kohl damals auch meist alleine mit sich, seinem Rad und seinen Gedanken war und nicht mitbekam, was um ihn herum vorging. Über die Dopingtests bei der aktuellen Tour urteilt er eher lakonisch: „Ich bin, glaube ich, bisher vier Mal getestet worden, ich weiß es nicht genau.“ Allzu viele Sorgen scheint er sich nicht zu machen, um gar nichts.

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