Tour de France : Dem Gewinner glauben können

Die Tour ist derzeit mehr auf Heldengeschichten angewiesen denn je. Mathias Klappenbach klammert sich an den letzten Sieger der Tour de France.

Mathias Klappenbach

Er hat sich gequält, mehr als dreitausend Kilometer lang. Mit unmenschlich hohem Tempo im Flachen, mit noch unglaublicherem in den Bergen. Und am Ende war er knapp der Beste. Er war der Beste, gefeierter Sieger der Tour de France, einer der härtesten Sportveranstaltungen der Welt.

So beginnen die Würdigungen der Männer mit dem Gelben Trikot. Diese hier ist nicht für den Gewinner von 2007, sie ist für Greg LeMond. Weil er der bislang letzte Sieger ist, gegen den kein nachvollziehbarer Dopingverdacht vorliegt. LeMond hat die Tour dreimal gewonnen, zuletzt 1990. Außer ihm sind da nur noch Stephen Roche und Lucien van Impe, die seit der Einführung von Dopingkontrollen in den Sechzigerjahren mit nicht angekratztem Ruf in Paris über die Ziellinie gefahren sind. Was auch nichts heißen muss. Aber nach LeMond kamen Miguel Indurain, der durch Zeugenaussagen im Festina-Skandal belastet wurde, Bjarne Riis, Jan Ullrich und Lance Armstrong. Zu Letzteren muss man nichts sagen.

LeMond sagte kürzlich als Zeuge im Prozess gegen den gedopten Vorjahressieger Floyd Landis aus, er engagiert sich gegen Doping. Vor ein paar Jahren wollte er sogar ein eigenes Team aufbauen, das sauber mithalten sollte. Schon damals forderte er eine unabhängige Kontrollinstanz – die es so bis heute nicht gibt. Das mit dem Team hat dann nicht geklappt. Doch LeMond blieb einer der wenigen im Radzirkus, die jederzeit klar Stellung beziehen. Das ist ihm höher anzurechnen als die Strapazen, die er bei seinen Toursiegen und Weltmeistertiteln hinter sich gebracht hat.

All das ist wichtiger für den Radsport als die Bilder von dem kämpfenden Fahrer, der auch 1989 die Tour gewann – trotz der Folgen eines schweren Unfalls und hochdramatisch mit nur acht Sekunden Vorsprung. Dennoch macht es Spaß, an dieses Sportdrama von früher zurückzudenken. Und an LeMond glauben zu wollen. Die Tour ist derzeit mehr auf Heldengeschichten angewiesen denn je.

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