Sport : Tour de France: Wüst gewinnt seine erste Etappe

Ganz im Zeichen der Deutschen stand die 5. Etappe der 87. Tour de France. Etappensieger Marcel Wüst und der Zweitplatzierte Erik Zabel brachten ihren Landsmann Jens Voigt nach mehr als 150 Kilometer Führungsfahrt in einer fünfköpfigen Spitzengruppe um den Tagessieg. In einem spannenden Finale manövrierte sich Zabel wenige hundert Meter vor dem Zielstrich an die Spitze, wurde aber von Wüst noch übersprintet. Kurz zuvor erst hatten sie Voigts Ausreißergruppe eingeholt. Für Wüst ist es bei seiner zweiten Tour-Teilnahme der erste Etappen-Sieg. Der Verlust seines schlitzohrig errungenen Bergtrikots war da leicht zu verschmerzen.

Auf der 202 Kilometer langen Strecke zwischen Vannes und Vitre verteidigte der Franzose Laurent Jalabert sein Gelbes Trikot mit dem selben Abstand zu Vorjahressieger Lance Armstrong (24 Sekunden) und Jan Ullrich (1:07) wie am Dienstag. "Ich bin der glücklichste Mensch der Welt - der Traum geht weiter", erklärte der polyglotte Wüst in flüssigem Französisch. "Ich glaube, ich habe ebenso wie Voigt gezeigt, dass es auch außerhalb des Telekom-Teams deutsche Radprofis von sehr hohem Niveau gibt." Mit Blick auf den erst kurz vor dem Ziel gescheiterten Landsmann Voigt sagte der 32-Jährige: "Natürlich tut es mir leid, aber wir sind hier ja nicht auf einem Kindergeburtstag."

Wüst, der in seiner Karriere zwölf Etappen bei der Spanien-Rundfahrt und eine Etappe beim Giro gewann, ließ Zabel auf den letzten Metern keine Chance. Nachdem die schnellsten Fahrer der Teams die Ausreißer passiert hatten, schien Zabel seinem ersten heiß ersehnten Tagessieg entgegenzusteuern. Doch Wüst, der in Deutschland immer im Schatten des Telekom-Co-Kapitäns steht, fing ihn kurz vor der Linie noch ab. "In diesem Jahr habe ich mich nur auf die Tour vorbereitet, ein Sieg fehlte noch", sagte Wüst.

Die Topfahrer, die das Gesamtklassement im Blick haben, verlebten einen relativ ruhigen Tag. Ullrich und Armstrong konnten sich vom Mannschaftszeitfahren erholen und im Hinblick auf die ab Montag bevorstehenden Pyrenäen Kräfte sparen. Auch Jalabert verzichtete darauf, zu versuchen, seine Position an der Spitze auszubauen. Allerdings kurbelte sein Team die Verfolgung der Spitzengruppe mit Voigt auf den letzten 40 km immer wieder an. Erwartungsgemäß verlor Wüst sein Bergtrikot, das er sich auf der ersten Etappe geholt hatte. Aber sein Sieg war mehr als ein Trostpflaster.

Wie am Montag gehörte Voigt wieder zu den aktivsten Fahrern. Vor dem ersten Zwischensprint in Mohon, den er gewann, hatte sich der Berliner bereits abgesetzt. Wenig später schlossen fünf weitere "Flüchtlinge" auf, und ihr Vorsprung wuchs bald auf über drei Minuten, womit Voigt wie am Montag wieder theoretischer Träger des Gelben Trikots war. Am Start hatte er 1:36 Minuten Rückstand auf Jalabert.

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