Sport : Tour de France: Zabel verliert die Lust

Hartmut Scherzer

Erik Zabels Beine wirbelten über den Quai de Belgique in Lausanne zu seinem zweiten Etappensieg bei der Tour de Suisse. Das anschließende Zeremoniell auf dem Podium erinnerte an die Tour de France: Erst wurde Zabel für den Tagestriumph geehrt, dann Lance Armstrong fürs Gelbe Trikot, und nochmal Zabel fürs Punktetrikot - nur nicht in Grün, sondern in Rot. Das Team Telekom machte erst auf den letzten der 166 km von Sion das Tempo und hielt das Peloton für den Massensprint zusammen. Mit höchster Geschwindigkeit von vorn sprinten, war Zabels Taktik. "Gian-Matteo Fagnini hat mich während derletzten Rennstunde wie ein Schatten begleitet und den Weg zum Sieg geebnet", sagte Zabel und fügte mit sauerem Lächeln hinzu:. "Wie immer."

Dieses "Immer" aber wird es bei der Tour de France nicht geben. Es war kurz vor Mitternacht. Das Hotel Alpina & Savoy war schon dunkel, da redete sich in der Lobby Gian-Matteo Fagnini immer noch den Frust bei seinen Landsleuten von der Saeco-Mannschaft von der Seele. Der Italiener hatte am Abend den Anruf von Rudy Pevenage, dem Sportdirektor des Teams Telekom, mit der Absage für die Tour erhalten. Erik Zabel muss also ohne seinen Sprintpartner durch die Tour spurten. Die Mannschaft wird allein auf Jan Ullrich ausgerichtet, mit Alexander Winokurow, Giuseppe Guerini, Kevin Livingston, Andreas Klöden, Jens Heppner, Steffen Wesemann und Udo Bölts.

Mit der gleichen finsteren Miene wie schon am Vortag erschien Zabel zum Frühstück und leugnete nicht länger, nichts zu wissen. "Ich weiß es nicht erst seit gestern Abend, gebe aber besser keinen Kommentar dazu ab. Ich mache nicht die Selektion, ich trage dafür nicht die Verantwortung und kann mich daher auch öffentlich nicht dazu äußern." Was der enttäuschte fünfmalige Gewinner des Grünen Trikots und achtmalige Etappensieger zur Tour 2001 ohne Fagnini zu sagen hatte, das hatte Zabel bereits eine Woche zuvor nach seinem ersten Etappensieg in Basel kundgetan. "Wenn die Entscheidung gegen Fagnini fällt, muss ich das akzeptieren. Egal wie hart es mich trifft."

Doch da war Erik Zabel allerdings noch davon ausgegangen, dass es "zu dieser Art Supergau" für ihn nicht kommen würde. "Ich möchte eine Etappe gewinnen. Mit Fagnini habe ich mehr Vertrauen." Mit dieser Ruhe ist es nun vorbei, wenn Erik Zabel am 7.Juli, seinem 30. Geburtstag, zu seiner achten Tour de France startet. Als Einzelkämpfer muss sich der schnellste Mann der Magenta- Truppe im Getümmel des Massensprints behaupten. Dabei hätte es Zabel "verdient, mit Fagnini als Helfer zur Tour zu gehen", räumte selbst Pevenage ein. Mit bittere Ironie, so, als sei ihm die Lust vergangen, sagte Erik Zabel: "Mein Problem bei der Tour ist, dass ich wahrscheinlich hin muss."

0 Kommentare

Neuester Kommentar