Sport : Tour de Prenzlauer Berg

Sven Teutenberg war bei großen Radrennen am Start, nun fährt er mit Bruder Lars im Velodrom hinterher

Helen Ruwald

Berlin - Sven Teutenberg liegt in seiner Koje im Fahrerlager des Sechstagerennens und lässt sich massieren, die Kleine Jagd über 30 Minuten ist gerade vorbei. Nun unterhalten „de Randfichten“ aus dem Erzgebirge die Gäste, es ist kurz vor 23 Uhr in der Langen Nacht der Sixdays. Plötzlich schreckt Teutenberg hoch. Nicht der „Holzmichl“, der Hit der Randfichten, hat ihn aufgerüttelt, sondern die aktuelle Ergebnisliste. „Wir sind jetzt Letzter“, sagt Teutenberg, und es klingt ziemlich entsetzt. Minuten zuvor hatte der 32-Jährige noch ohne erkennbare Regung gesagt, dass es schließlich sein erstes Sechstagerennen der Saison sei, „es ist alles relativ“.

Sven Teutenberg fährt mit der schwarzen Rückennummer Neun auf dem Trikot, die rote Neun trägt sein 34-jähriger Bruder Lars. „Wir hatten uns schon mehr erhofft. Aber mein Bruder ist noch nicht so im Tritt, und ich bin erkältet. Jetzt wollen wir versuchen, zumindest in den Einzelwettbewerben ein bisschen zu glänzen“, sagt Lars Teutenberg. Die Brüder kamen wie auch ihre Schwester Ina-Yoko, die ebenfalls Radprofi ist, über den Vater zu ihrem Sport. „Er war übergewichtig, und der Arzt hat gesagt, er müsse etwas tun“, erzählt Lars Teutenberg. „Sven und Ina-Yoko waren Sprinter und schon als Nachwuchsfahrer erfolgreich. Ich konnte mich, bis ich 16 war, nicht richtig durchsetzen.“

Auch später entwickelten sich die Brüder unterschiedlich. Lars Teutenberg fährt für das Team „Sparkasse Bochum“ Straßenrennen, er war Sieger der Mallorca- und der Thüringen-Rundfahrt. Doch vor allem ist er Bahnspezialist, in Berlin bestreitet er sein 72. Sechstagerennen. Sein Bruder Sven hingegen tritt erst zum siebten Mal bei Sixdays an. Er war Profi bei US Postal, Gerolsteiner, Festina, Phonak, Coast und Bianchi, hat 17 Siege als Sprinter gefeiert und war bei der Tour de France 2001 zweimal Etappenvierter. Vor 12 Jahren sammelte er an der Seite von Weltmeister Danny Clark erste Erfahrungen bei Sechstagerennen. Doch bald erlaubten ihm seine Teams die Einsätze auf der Bahn nicht mehr. Erst als sich Bianchi auflöste und Sven Teutenberg ohne Mannschaft da stand, konnte er auf die Bahn zurückkehren. 2004 wurde er an der Seite seines Bruders bei den Sixdays in Stuttgart Vierter. Auch für Lars Teutenberg, den Sechstage-Routinier, war es das beste Ergebnis überhaupt. Aber nicht Lars, sondern Sven war es, der 2004 in den Bahnkader des Bunds Deutscher Radfahrer aufrückte. Bei der WM in Melbourne landete er mit Guido Fulst zwar nur auf einem enttäuschenden 14. Platz, doch er qualifizierte sich für die Olympischen Spiele in Athen. Im letzten Moment, sagt er, sei er dennoch aus dem Team geflogen. „Ich sollte schon zur Einkleidung für Athen kommen. Es war sehr dubios.“ Bisher hat er kein neues Team gefunden, die Angebote fehlen – zumal er sich nach all den Jahren, in denen er für namhafte Teams gearbeitet hat, nicht bei irgendeiner kleinen Rundfahrt abstrampeln will.

Als kleiner Junge träumte auch Lars Teutenberg von der Tour de France, später musste er feststellen, dass es dafür nicht reichte. Er freute sich über den Sieg auf Mallorca und seinen Stundenrekord auf dem Liegerad mit 82,6 Kilometer. Jetzt aber ist er derjenige, der gerade bei Sechstagerennen gut im Geschäft ist, während sein so erfolgreicher Bruder auf Angebote wartet. „Es ist schade, dass wir nicht mehr Sechstagerennen zusammen fahren können“, sagt Lars Teutenberg, „aber die Veranstalter setzen lieber auf den Nachwuchs, ein über 30-Jähriger hat keine Chance“. Jedenfalls nicht, wenn er ziemlich neu in diesem Metier ist. Sven Teutenberg weiß nicht, wie es weitergehen wird. Vielleicht wird, ja muss er seine Karriere beenden. Er wird sich erst einmal um seinen Fahrradladen kümmern. Vorher aber will er beim Sechstagerennen noch den letzten Platz wieder loswerden.

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