Sport : Trabrennsport: Trübe Aussichten

Ingo Wolff

Die Galopprennbahn Hoppegarten wird gegenwärtig vom Pech verfolgt. Dort findet an diesem Wochenende eine Freizeitmesse statt, um für die Pferderennen am Pfingstmontag im Vorfeld ein attraktives Rahmenprogramm für die Familie zu schaffen. Im Prinzip keine schlechte Idee. Doch der Wetterbericht für dieses Wochenende verheißt nichts Gutes: Regen. Wer interessiert sich schon für Sport, Freizeit und Erholung, wenn es schüttet - da hilft dann auch kein noch so interessantes Rennen mit Luftkissenbooten.

Dabei hätte der Renntag mit dem gut besetzten Auktionsrennen (Beginn 13.30) geholfen, ein wenig von den aktuellen Problemen auf der Galopprennbahn Hoppegarten und damit beim Union-Klub abzulenken. Der Rennverein hat am Mittwoch eines seiner wertvollsten Rennen der Saison an die Rennbahn in Frankfurt verloren. Das schmerzt. Das Europa-Championat am 19. August war ein europäisches Gruppe-Rennen und somit vergleichbar mit der Champions League im Fußball. Besonders pikant an dem Standortwechsel: Der Präsident des Frankfurter Rennklubs Günter Paul war früher Präsident des Union-Klubs und ist wegen lang anhaltender Streitigkeiten inzwischen aus dem Rennverein ausgetreten. Ein ungewöhnlicher Schritt im Galoppsport, der vielfach noch von honorigen Herren mit ehernen Grundsätzen geführt wird.

Ist die Übernahme des Rennens eine Revancheakt? Paul wiegelt ab - er habe mit diesem Wechsel dem Klub nicht schaden wollen. Der Frankfurter betont, dass nicht er sich um die Austragung des Rennens beworben habe, sondern der Galoppverband ihm das Rennen angeboten hätte. "Wir mussten das Rennen in Minuten übernehmen", sagt der Frankfurter Präsident, "und es ist uns schwer gefallen, es zu übernehmen." Denn das Rennen passe eigentlich nicht auf die Frankfurter Bahn. Wegen der Länge des Rennens und wegen der Nähe zum Aral-Pokal, einem ebenfalls hochwertigen Rennen in Düsseldorf. Außerdem ist der Renn-Klub Frankfurt am Main wie auch der Union-Klub hochverschuldet und hat eigentlich keine finanziellen Möglichkeiten ein Rennen außerhalb des geplanten Etats zu veranstalten.

Dennoch konnten die Frankfurter zusätzlich zum normalen Rennprogramm das geforderte Preisgeld für das Championat kurzfristig beschaffen. "Das war eine große interne Anstrengung", betont Paul. Er bekam das Geld zusammen. Im Gegensatz zum Union-Klub, der bis zum gesetzten Stichtag am 21. Mai nur die Hälfte der geforderten 200 000 Mark an Preisgeld nachweisen konnte. "Das haben wir dem Verband signalisiert und unser Präsident Karl-Heinz Oehler bot sogar an, den Rest aus eigener Tasche zu bezahlen", sagt Vizepräsident Jochen Palenker. Zu wenig Sicherheit für den Verband, der den Nachweis der gesamten Summe zur Auflage bei der Rückgabe der entzogenen Rennlizenz gemacht hatte und wegen des Urlaubs des Union-Präsidenten die Frist sogar um einen Woche verschoben hatte.

Da aber am 29. Mai Nennungsschluss für die Pferdebesitzer war, fühlte sich der Verband zum Handeln gezwungen. Er konnte Hoppegarten nicht selber helfen, da der Verband über keinen finanziellen Spielraum verfügt. Und alle anderen Klubs in Deutschland haben ebenfalls mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen und können den Union-Klub nicht unterstützen. Deshalb wurde das Rennen anderen Bahnen angeboten, die am 17. August Renntage durchführen: Düsseldorf, Frankfurt und Köln. Doch Köln und Düsseldorf lehnten wegen eigener großer Rennen ab. Das ausgerechnet Frankfurt den Zuschlag bekommen hat, ist also mitnichten ein Affront gegen Hoppegarten. "Was wäre denn passiert, wenn wird das Rennen nach Düsseldorf oder Köln gegeben hätten. Das hätte doch auch Spekulationen gegeben", sagt der Pressespecher des Verbandes Peter Brauer. Denn auch in Düsseldorf und Köln steuern Menschen die Geschicke, mit denen der Union-Klub im Clinch liegt.

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