Sport : Tradition verpflichtet

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist trotz aktueller Formschwäche bei der Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan gesetzt. Mit dieser Entscheidung würdigte das WM-Organisationskomitee die historischen Erfolge des dreimaligen Weltmeisters und sorgte drei Tage vor der Auslosung am Samstag in Pusan zugleich für große Erleichterung bei Rudi Völler. "Gott sei Dank ist es so gekommen. Wenn man gesetzt wird, hat das schon seine Vorteile", sagte der Teamchef, für den die Entscheidung "nicht ganz überraschend" kam. "Ich bin der Meinung, dass wir es auch verdient hatten, gesetzt zu werden", sagte Völler, obwohl sein Team in der aktuellen Weltrangliste nur Elfter ist.

Somit bleiben der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zumindest Titelverteidiger Frankreich, der viermalige Weltmeister Brasilien, die zweimaligen Titelträger Argentinien und Italien sowie Spanien und die Gastgeber-Teams aus Südkorea und Japan als Gruppengegner erspart. Das 30-köpfige Komitee einigte sich nach mehr als dreistündiger Sitzung auf die auch vom DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder favorisierte Version, frühere Erfolge und aktuellen Leistungsstand jeweils zur Hälfte zu werten. In dieser Punkte-Rangliste, die neben den Weltranglisten-Platzierungen in den vergangenen drei Jahren auch das Abschneiden bei den letzten drei WM-Endrunden berücksichtigt, rangiert Deutschland mit 54 Punkten hinter Brasilien (62), Argentinien und Italien (je 56) souverän auf dem vierten Rang. Den letzten freien Platz auf der Setzliste verteidigte Spanien (45) knapp gegen Mexiko (42) und England (41).

"Trotz allem haben wir keine Garantie, dass wir nicht doch eine sehr schwere Gruppe erwischen", sagte Völler. Deutschland kann wegen der Richtlinien des Fußball-Weltverbandes Fifa, wonach Mannschaften aus einem Kontinent so selten wie möglich aufeinander treffen sollen, aber nur einen europäischen Kontrahenten haben. Der zweite Gruppengegner kommt aus dem dritten Topf mit den Teams aus Südamerika und Asien, komplettiert wird die Gruppe mit einer Mannschaft aus Afrika oder einem Vertreter aus Nord- und Mittelamerika.

Die Funktionäre waren beim Festlegen der Auslosungs-Regularien sichtlich bemüht, so wenig wie nötig zu bestimmen. Möglichst viel soll am Samstag (11 Uhr, live im ZDF) dem Losglück überlassen bleiben. So wurde lediglich verfügt, dass die Gruppen mit Brasilien und Argentinien nicht im gleichen Land ausgespielt werden sollen. Einem Wunsch Japans, Brasilien gleich von vornherein als Ausgleich für das Eröffnungsspiel in Südkorea mit Weltmeister Frankreich nach Japan einzuteilen, wurde nicht entsprochen.

Auch verwarf das Organisationskomitee eine bisher bestehende Regel, wonach zwei in der Qualifikation gegeneinander angetretene Mannschaften nicht in dieselbe Endrunden-Gruppe gelost werden können. So kann das deutsche Team erneut auf England treffen. Lediglich in einem Punkt machten die Organisatoren eine Ausnahme: Aus "geografischen und ökonomischen Gründen", so die Begründung, spielt China in Südkorea. Dadurch erhofft man sich zahlreiche chinesische Fans, die sich eine Reise nach Japan nicht hätten leisten können.

Das deutsche Team muss hingegen seine Gruppenspiele mit hoher Wahrscheinlichkeit in Japan austragen. "Mir ist es egal, wo wir spielen. Hauptsache, wir gewinnen die Spiele", sagte Völler. Am Sonntag wird er sich auf die Suche nach einem Quartier machen. Fest steht nur, dass Völler nicht in Nordkorea suchen muss. Das Land wird definitiv keine Spiele bei der WM ausrichten. Dies erklärte der Vorsitzende des Organisationskomitees und Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), Lennart Johansson. Nachdem Pjöngjang alle Angebote habe verstreichen lassen, sei die Frist jetzt abgelaufen, meinte der Schwede. "Es war eine gute Idee, Nordkorea einzubeziehen. Aber von heute an ist es unmöglich", sagte Johansson. Nordkorea hatte nicht einmal auf die Einladung zur Auslosung geantwortet.

Trotz horrender Preise vor allem in Japan wird die in letzter Minute erreichte WM-Qualifikation für den DFB zum lohnenden Geschäft. Allein für die WM-Vorbereitung erhöhte die Fifa ihr Budget gegenüber der WM 1998 in Frankreich um 25 Prozent und zahlt jedem Teilnehmer rund 1,3 Millionen Mark. Das Preisgeld steht dagegen noch nicht fest, es ist aber mindestens so hoch wie vor vier Jahren, als jeder Teilnehmer als Garantiesumme 3,9 Millionen Mark erhielt.

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