Trainer-Rücktritte in der Bundesliga : Erst Roberto Di Matteo, dann Thomas Schaaf

Drei Tage nach dem Bundesliga-Finale haben sich Roberto Di Matteo und Thomas Schaaf von ihren Posten auf Schalke und in Frankfurt verabschiedet. Die Knappen verpackten es diplomatisch, Schaaf giftete gegen seine Kritiker.

Hoch oder runter? Thomas Schaaf sieht seine Leistung bei Eintracht Frankfurt nicht ausreichend gewürdigt.
Hoch oder runter? Thomas Schaaf sieht seine Leistung bei Eintracht Frankfurt nicht ausreichend gewürdigt.Foto: dpa

Binnen weniger als zwei Stunden haben gleich zwei Cheftrainer für ein heftiges Nachspiel in der Fußball-Bundesliga gesorgt. Zunächst legte Roberto Di Matteo, einst Champions-League-Sieger mit dem FC Chelsea, sein Amt beim FC Schalke 04 nach einer miserablen Rückrunde nieder. Nur wenig später gab Eintracht Frankfurt bekannt: Auch Thomas Schaaf hört vorzeitig auf. Der einstige Erfolgscoach von Werder Bremen zog nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus öffentlichen Anschuldigungen und Unterstellungen.

Di Matteo hielt es damit nicht mal ein Jahr auf Schalke aus, Schaaf weilte gerade mal eine Saison bei der Eintracht. Schalke, mit dem Anspruch auf einen erneuten Champions-League-Platz gestartet, kam letztlich nur auf den sechsten Platz und hängt bei seinem Einstieg in die Europa League auch noch vom Erzrivalen Borussia Dortmund und dessen Ergebnis im DFB-Pokalfinale am Samstag in Berlin ab. Die Eintracht schaffte es hingegen den
Vorstellungen entsprechend auf Platz neun.

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Vorstandschef Heribert Bruchhagen stand bis zuletzt hinter Thomas Schaaf

„Wir haben die uns gestellten Aufgaben erfüllt und mehr. Deshalb bedauere ich es umso mehr, nun diese Entscheidung zu treffen“, erklärte Schaaf in einer Mitteilung der Frankfurter am Dienstag. Der 54-Jährige stellte aber klar, warum er sich zu diesem Schritt genötigt sah: „Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren.“ Beide Seiten einigten sich darauf, den ursprünglich noch bis 2016 laufenden Vertrag wieder aufzulösen. Grund für diesen Schritt ist das zumindest in Teilen der Vereinsführung fehlende Vertrauen in den langjährigen Coach von Werder Bremen. Auch von der Mannschaft waren klare Bekenntnisse ausgeblieben.

Zumindest Vorstandschef Heribert Bruchhagen stand bis zuletzt hinter Schaaf. „Wir bedauern es sehr, dass er den mit uns eingeschlagenen Weg nicht mehr weiter gehen möchte. Wir haben bis zum Schluss versucht, leider vergebens, ihn von seinem Entschluss abzubringen“, erklärte Bruchhagen nun. Als Favorit auf den Trainerposten gilt der frühere Leverkusener Jugend- und Cheftrainer Sascha Lewandowski.

Schalke konnte nur zwei der letzten zehn Bundesligaspiele gewinnen

Bei den Schalkern werden mehrere Namen gehandelt. Di Matteos Kontrakt wäre sogar noch bis 2017 gültig gewesen. Nach zweitägigen Verhandlungen über die Art und Weise des Abgangs mit den damit verbundenen finanziellen Modalitäten gaben die Schalker bekannt: Di Matteo habe sein Amt niedergelegt. Der 44 Jahre alte Italiener habe diese Entscheidung nach Gesprächen mit Sportvorstand Horst Heldt über die Pfingsttage getroffen. „Obwohl die Diskussionen mit Horst Heldt dabei immer konstruktiv waren, wurde deutlich, dass der Club andere inhaltliche Schwerpunkte setzen möchte“, erklärte Di Matteo. Außerdem sei „die Hypothek der unbefriedigenden Rückrunde zu groß“. Von den letzten zehn Liga-Spielen konnten die Knappen lediglich zwei gewinnen.

Er könne unter diesen Bedingungen nicht garantieren, „dass wir an die Erfolge anknüpfen, die der Club erwartet“, erklärte Di Matteo. Deshalb erscheine „ein Neuanfang das Beste für alle Beteiligten zu sein“. Er hatte erst am 7. Oktober 2014 die Nachfolge des zuvor beurlaubten Jens Keller angetreten und war mit Vorschusslorbeeren von Heldt („Er ist ein Spitzentrainer. Roberto liefert alles, was wir brauchen“) präsentiert worden. Mit dieser Einschätzung lag Heldt offensichtlich nicht richtig. (dpa)

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