Sport : Trainer Svetislav Pesic wird 50 und sagt: "Eigentlich bin ich erst am Anfang"

Sebastian Arlt

"Es ist wohl eine Schwäche von mir, dass ich nicht so richtig feiern kann", hat Svetislav Pesic einmal gesagt. Das war am 21. Februar 1995, als der Trainer der Basketballer von Alba Berlin etwas verloren im Kabinengang der Halle von Caceres stand, während sich um ihn herum alle in den Armen lagen. Alba hatte gerade den Einzug ins Korac-Cup-Finale geschafft - und der Trainer war in Gedanken schon einen Schritt weiter. Beim Endspiel, das die Berliner dann auch gewinnen sollten. "Ich habe keine Zeit zum Feiern", pflegt er zu sagen. Jetzt nimmt Svetislav Pesic sich doch Zeit. "Bisher habe ich meinen Geburtstag nie groß gefeiert, aber beim Fünfzigsten muss man wohl . . ." An seinem 50. Geburtstag hat Pesic heute Abend Freunde und Weggefährten eingeladen, um mit ihnen zu feiern.

Seit knapp 20 Jahren ist er ein erfolgreicher Trainer, wurde Weltmeister (1987 mit den jugoslawischen Junioren), Europameister (1993 mit der deutschen Nationalmannschaft), dreimal Meister mit Alba (1997 bis 1999) und mit den Berlinern zudem Korac-Cup-Sieger (1995), aber er sagt dennoch von sich: "Ich lerne weiter, eigentlich bin ich erst am Anfang." Motivationsprobleme mit zunehmendem Alter? "Nein, ich finde immer wieder neue Ziele und Motivation." Er will alles, am besten sofort. Dafür drängelt er schon mal, nervt mitunter, provoziert bewusst. Gewiefter Taktiker nicht nur am Spielfeldrand. Das haben die Verantwortlichen beim Deutschen Basketball Bund ebenso erfahren müssen wie die bei Alba. Wehe, wenn der Meister grollt . . .

Stundenlang kann er mit wachsender Begeisterung über Basketball sprechen, für ihn Beruf und Berufung. Doch wenn es nicht um das Spiel auf die Körbe geht, wird Svetislav Pesic nachdenklich. "Es kommt die Zeit, da werde ich vielleicht mehr Zeit für die Familie haben." Er weiß, dass er und seine Familie in diesem Punkt viel versäumt haben und dass es mitunter schwierig ist mit ihm. "Die Zeit mit der Familie kann man nicht nachholen." Basketball war und ist Mittelpunkt im Leben der Familie Pesic. Alle spielten oder spielen selbst: Ehefrau Vera, die 15jährige Tochter Ivana und Sohn Marko (22), der künftig für Iraklis Saloniki spielen wird. Bereits als Marko vor sechs Jahren für ein Jahr in die USA an eine Highschool wechselte, flossen beim Vater Tränen: "Da geht er jetzt - und du hast ihn als Kind kaum erlebt."

Überhaupt seien die Jahre, seit er 1987 nach Deutschland gekommen ist, so schnell vorbei gegangen. "In Deutschland ist jeder Tag viel zu kurz. Das Leben ist verrückt geworden." Seit sechs Jahren lebt Pesic in Berlin ("Stadt meiner Gegenwart und meiner Zukunft"), vor fünf Monaten bekam er den Verdienstorden des Landes Berlin umgehängt, seit zwei Monaten besitzt er neben der jugoslawischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Was bedeutet für ihn Heimat? "Ich fühle mich in Deutschland und Berlin sehr wohl, aber man hat nur eine Heimat." Mit Trauer und Wut hat er mitansehen müssen, "was die Politiker mit dem Krieg angerichtet haben". Das alte Jugoslawien ist zerfallen. Er habe sein Land verloren, "weil das nicht mehr mein Land ist". Sein Haus in Sarajevo wurde während des Balkan-Krieges zerstört. Dort hatte die Familie von 1971 bis 1987 gewohnt. Erst vor kurzem wurden Verwandte, Freunde und Bekannte aus Belgrad und seiner Geburtsstadt Novi Sad zu Leidtragenden des Kosovo-Konflikts mit Nato-Luftangriffen auf Serbien. Er hatte telefonisch dauernd Kontakt, nahm auch einen guten Freund bei sich auf. Pesic erzählt nur wenig davon, dass er vielen geholfen hat und weiter hilft. "Ich will dazu beitragen, dass sie aus dem Tal wieder rauskommen." Svetislav Pesic weiß, dass er die Gedanken an seine Heimat nicht verdrängen kann. Auch heute nicht.

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