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Trainingsauftakt bei den Eisbären : Tomlinson scheucht sein Personal übers Eis

Der deutsche Eishockey-Meister Eisbären Berlin ist am Dienstag mit dem ersten gemeinsamen Training in die Vorbereitung zur neuen Saison gestartet. Zwei Stunden lang scheuchte der neue Trainer Jeff Tomlinson sein Personal über das Eis.

Jan Schröder
Der neue Trainer Jeff Tomlinson konnte bis auf Constantin Braun den vollzähligen Profikader auf dem Eis begrüßen. Foto: dpa
Der neue Trainer Jeff Tomlinson konnte bis auf Constantin Braun den vollzähligen Profikader auf dem Eis begrüßen.Foto: dpa

Jeff Tomlinson hatte sich ganz offensichtlich einiges vorgenommen. Gleich am ersten gemeinsamen Trainingstag nach der Sommerpause hetzte der neue Eisbären-Trainer seine Spieler geschlagene zwei Stunden über das Eis. An diesem brütend heißen Dienstagvormittag gab es in Berlin unangenehmere Orte als den kühlen Wellblechpalast, trotzdem hatte die Mammuteinheit Folgen. Neuzugang Casey Borer mochte sich hinterher nicht sofort den Fragen nach seiner ersten Trainingseinheit stellen – erst einmal musste er in die Kabine, um sich seiner Schlittschuhe zu entledigen. „Meine Füße brennen ziemlich“, sagte der Verteidiger erschöpft, als er kurz darauf ohne Schuhe zurückgekehrt war. „Sehr schnell“ sei das erste Training mit den neuen Mannschaftskameraden gewesen.

Er hatte aber schon vorher gewusst, was von einer Übungseinheit mit Tomlinson zu erwarten ist. Im vergangenen Jahr hatte der den Kanadier noch in Nürnberg trainiert. Und auch wenn sich dort der Erfolg nicht einstellen wollte, blieb Tomlinson in Berlin seiner Linie treu. „Wir haben so trainiert, wie ich es aus Nürnberg kenne“, sagt Borer, „Tomlinson hat als Trainer seine eigene Handschrift.“

Die war beim ersten Üben mit den Eisbären deutlich erkennbar. Viel Zeit nahm sich Tomlinson an der Taktiktafel, erklärte geduldig, was er erwartete. Wenn das dann in der Umsetzung nicht so ganz funktionierte, ging er dazwischen, schnappte sich den betreffenden Spieler und erläuterte noch einmal höchstpersönlich, worauf es ihm ankommt. Dieses Justieren von Kleinigkeiten, den Anspruch, jedem Spieler noch etwas beizubringen, hatte Tomlinson bereits in der vergangenen Woche bei seiner offiziellen Vorstellung als seine Hauptaufgabe identifiziert: Nichts Grundsätzliches müsse er beim Deutschen Meister der vergangenen drei Jahre ändern, nur Details optimieren. Und das macht er anders als sein Vorgänger Don Jackson mit vielen Einzelgesprächen und kleinen Korrekturen. Verschiedene „Themen“ wolle er mit der Mannschaft bis zum ersten Pflichtspiel – dem Auftakt der European Trophy beim finnischen Klub Kärpät Oulu am kommenden Dienstag – durchnehmen, sagte er, und klang wie ein ebenso anspruchs- wie verständnisvoller Lehrer. In der ersten Übungseinheit probte er nun vor allem Spielzüge in hohem Tempo, vor allem immer wieder das rasante Umschalten von Abwehr auf Angriff.

Auch etwas anderes hatte Tomlinson angekündigt: Dass er an der Aufstellung nur wenig ändern werde. Und so spielten beim ersten Training die bewährten ersten drei Angriffsreihen wieder so zusammen wie in der vergangenen Saison. Zum Handeln gezwungen ist der Trainer allerdings in der Verteidigung. Dort muss er nach den Abgängen von Mark Katic und Ryan Caldwell und dem krankheitsbedingten Ausfall von Constantin Braun neue Paare finden. Nationalspieler Frank Hördler lässt er nun mit Neuzugang Shawn Lalonde zusammenspielen, Casey Borers Nebenmann beim ersten Training ist Henry Haase. Von den drei Nachwuchsverteidigern, die um den letzten noch offenen Platz in der Abwehr kämpfen, liegt er zurzeit vorn. Aber auch Alex Trivellato und Thomas Supis sollen in den kommenden Wochen ihre Chance erhalten. Kurzfristig einen Ersatz für Braun zu verpflichten, hält Manager Peter John Lee daher erst einmal für unnötig: „Die jungen Abwehrspieler könnten nun zeigen, dass sie in die Mannschaft gehören.“

Dass er dem unerfahrensten Verteidiger ausgerechnet Borer zur Seite stellt, verdeutlicht die hohe Meinung, die Tomlinson von seinem routinierten Neuzugang hat: Der sei ein Spieler, der andere führen könne. Und Borer zeigte gleich, was damit gemeint ist: Immer wieder sprach er mit seinem jungen Nebenmann, half ihm, auf dem Eis das Richtige zu tun. In die Rolle des Förderers junger Talente mag er sich dabei nicht drängen lassen. „Schließlich bin ich kein Trainer“, sagt Borer. Aber er helfe einem Mannschaftskameraden natürlich gerne. Bei aller Bescheidenheit ist zu erahnen, dass er mit seiner ruhigen, aber bestimmten Art, seinen offensiven und defensiven Qualitäten auf dem Eis, sofort zu den Führungsspielern bei den Eisbären zählen dürfte – und gerade an solchen fehlte es den Berlinern in der vergangenen Saison ja das eine oder andere Mal.

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