Trainingsauftakt bei Union : Warum nicht aufsteigen?

Der 1. FC Union gibt sich zum Trainingsauftakt mutig und kündigt weitere Verstärkungen an.

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Neu im Zentrum. Gerade vom defensiven Mittelfeldspieler Stephan Fürstner (links, ehemals Greuther Fürth) verspricht sich Trainer Norbert Düwel viel.
Neu im Zentrum. Gerade vom defensiven Mittelfeldspieler Stephan Fürstner (links, ehemals Greuther Fürth) verspricht sich Trainer...Foto: dpa/Carstensen

Um kurz nach 15 Uhr wurde es im Stadion An der Alten Försterei richtig laut. Zwischen drei- und viertausend Besucher waren gekommen, um den Trainingsauftakt des 1. FC Union zu verfolgen. Verglichen mit Punktspielen eine geringe Zahl, aber die, die da waren, machten in diesem Moment Krach, als sei das Stadion voll. Sie bejubelten einen jungen Mann von 34 Jahren in Baggy-Jeans und mit Baseballkappe auf dem Kopf. Benjamin Köhler, Unions an Krebs erkrankter Mittelfeldspieler, war auch dabei, als die Mannschaft für die Saison 2015/16 durch Stadionsprecher Christian Arbeit vorgestellt wurde. Seine letzte Chemotherapie hat Köhler vor sechs Tagen bekommen, nun warten er und der Verein, wie es sich mit seinem Gesundheitszustand in den kommenden Wochen verhält. Vielleicht ist demnächst sogar schon leichtes Lauftraining für Köhler möglich.

Irgendwann flachte der Jubel doch ab, Arbeit fuhr mit der Vorstellung fort. Und dann, in einem Moment der Stille, platzte aus einem älteren Mann auf der Tribüne eine Frage heraus, die den ganzen Klub beschäftigt: „Wo ist eigentlich der Polter?“

Gemeint war Sebastian Polter, Unions erfolgreichster Angreifer der vergangenen Saison mit 14 Toren. Polter war natürlich nicht da, er gehört ja nach wie vor dem FSV Mainz 05. Es scheint, als seien dem Bundesligisten die 1,5 Millionen Euro zu wenig, die Union für den Kauf des 24-Jährigen geboten hat. Trainer Norbert Düwel versuchte trotzdem, optimistisch zu wirken: „Der Verein ist weiterhin bemüht. Ich habe ein positives Gefühl.“ Ohne den Stürmer würden die großen Ambitionen des Berliner Zweitligisten ein Stück weit schwieriger zu verwirklichen sein, auch wenn sich Düwel für den Fall der Fälle vorbereitet gibt. „Alternativen haben wir längst auf dem Zettel, alles ist im Vorfeld auf den Weg gebracht worden“, sagt er.

In diesem Sommer, der noch keiner ist, soll nach Möglichkeit beginnen, was als etwas Historisches enden könnte: Unions erstmaliger Aufstieg in die Bundesliga. Düwel bekräftigte am Sonntag noch mal die neuen Ansprüche. „Wir sind in der vergangenen Saison Siebter geworden. Ein gutes Ergebnis, denke ich, das wir nun verbessern wollen. Und verbessern heißt erster bis sechster Platz.“

Die Hoffnungen sind berechtigt. In den vergangenen Jahren hat sich die Zweite Liga als sehr durchlässig für Überraschungsmannschaften erwiesen. Fürth, Braunschweig, Paderborn und jüngst sogar Aufsteiger Darmstadt 98 – sie alle haben das gepackt mit dem Aufstieg. Warum also nicht auch wir, fragen sie sich in Köpenick.

Trainer Düwel erwartet in den zweiten Liga ein "ausgeglichenes Feld"

Vieles scheint möglich in dieser Saison, mit Polter sogar sehr viel. Einen eindeutigen Favoriten gibt es nicht, Düwel erwartet „ein ausgeglichenes Feld“. Schwergewichte wie der VfB Stuttgart oder der Hamburger SV sind am Ende doch nicht runtergekommen aus der Bundesliga. RB Leipzig und der 1. FC Kaiserslautern haben Ambitionen, mussten aber in der vergangenen Saison feststellen, dass sie sich sportlich doch weit weniger als erhofft von der breiten Masse abheben. Und die beiden Absteiger aus der Bundesliga, die Sport-Clubs aus Freiburg und Paderborn, werden mit ihren personell veränderten Mannschaften wohl einige Zeit benötigen, um sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Beim 1. FC Union deutete sich dagegen in der vergangenen Rückrunde an, dass die Mannschaft und Trainer Norbert Düwel immer besser zueinanderfinden. Der Kader wurde weiter nach Düwels Vorstellungen verändert. Mario Eggimann, Valmir Sulejmani, Martin Kobylanski, Björn Jopek und Björn Kopplin gehören nicht mehr zur Mannschaft. Neu sind Stephan Fürstner (Greuther Fürth), Dennis Daube (St. Pauli), Benjamin Kessel, Raffael Korte (beide Braunschweig), Kenny Prince Redondo (Unterhaching) und Collin Quaner (VfR Aalen). Vor allem die Mittelfeldspieler Fürstner und Daube sowie Abwehrspieler Kessel, der innen und außen verteidigen kann, sollen die Mannschaft sofort verstärken und gelten als die aussichtsreichsten Anwärter unter den Neuen auf einen Stammplatz. „Wir haben uns gut verstärkt. Wenn alles so greift, wie wir uns das vorstellen, ist es realistisch, unter die ersten sechs zu kommen“, sagt Düwel.

Womöglich sieht die Mannschaft zum Saisonstart Ende Juli aber noch mal ganz anders aus. Manager Nico Schäfer stellt weitere Verpflichtungen in Aussicht: „Wir haben zwar schon sechs Neuzugänge, aber wir werden noch einiges tun müssen.“ Schäfer sprach von „zwei, drei Positionen“, auf denen es Handlungsbedarf gebe. Das gilt in erster Linie für den Angriff. Sebastian Polter ist weiterhin das dominierende Thema und wird es auch bleiben. Erst recht, sollte es für den 1. FC Union nicht gleich wie gewünscht laufen.

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