Trainingslager in Ascona : Wer wird fit genug für Joachim Löw?

Mats Hummels ist verletzt, Bastian Schweinsteiger noch nicht fit, Marco Reus angeschlagen. Bundestrainer Joachim Löw sorgt sich um die Fitness vieler Nationalspieler.

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Nur einer von ihnen ist der echte Joachim Löw.
Nur einer von ihnen ist der echte Joachim Löw.Foto: dpa

Joachim Löw legte sich einen Ball zurecht und schoss ihn in das kleine Tor. Einmal, zweimal, dreimal. Er probierte sich aus dem Stand an einem Übersteiger und kickte sich den Ball mit der rechten Hacke gegen das linke Schienbein. Joachim Löw war offensichtlich langweilig.

Gut 30 Minuten waren seit der Ankunft der deutschen Fußball-Nationalspieler auf dem Gelände des FC Ascona vergangen, die Hütchen ordnungsgemäß verteilt, die Tore postiert, die Bälle in Reih und Glied angeordnet. Das Trainerteam wartete auf dem Platz – nur die Spieler fehlten, weil ihre Fitnessübungen im nebenan aufgebauten Zelt ein bisschen länger dauerten. Für Bundestrainer Löw könnte der Arbeitsalltag bis zum Ende dieser Woche noch häufiger so oder so ähnlich aussehen. Lukas Podolski (türkische Pokalfinale mit Galatasaray Istanbul) und Toni Kroos (Champions-League-Endspiel mit Real Madrid) fehlen wegen Verpflichtungen mit ihren Klubs ohnehin noch. Und obwohl die Nationalmannschaft mit 25 Spielern zur EM-Vorbereitung ins Tessin gereist ist, wird es noch ein bisschen dauern, bis Löw mit voller Kapelle trainieren kann. „Ich muss bis nächste Woche von Tag zu Tag schauen“, sagte er. Wer wann und wie intensiv trainiert, das bestimmt nicht der Bundestrainer; das entscheidet vor allem das medizinische Personal.

Am Mittwoch, bei der ersten Einheit in Ascona, absolvierten nur 16 Feldspieler das komplette Programm auf dem Platz. Sami Khedira, der zuletzt wegen einer Wadenzerrung pausieren musste, war anfangs auch noch dabei, trainierte nach dem Aufwärmen aber wieder individuell. Immerhin soll der defensive Mittelfeldspieler an diesem Donnerstag ins Mannschaftstraining einsteigen. Bei anderen Rekonvaleszenten sind die Aussichten nicht ganz so erfreulich.

Mario Götze muss nach seinem Rippenbruch bei Zweikämpfen noch Vorsicht walten lassen, Bastian Schweinsteiger kann noch nicht mit dem Ball arbeiten, und Marco Reus wird wegen Adduktorenproblemen ein paar Tage mit dem Training aussetzen. Seinen Dortmunder Vereinskollegen Mats Hummels hat es im Pokalfinale noch ärger erwischt. Der Verdacht, dass er gegen seinen künftigen Arbeitgeber Bayern München simuliert hat, ist jetzt medizinisch zweifelsfrei widerlegt. Bei Hummels wurde ein kleiner Muskelfaserriss in der Wade diagnostiziert. „Er wird einige Tage ausfallen“, sagte Löw. „Für das Turnier sehe ich im Moment keine Gefahr.“

Trotzdem: Die Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Frankreich gestaltete sich komplizierter als erhofft. Die Nationalspieler sind in unterschiedlicher körperlicher Verfassung ins Tessin gereist. Einige waren vor zehn Tagen zuletzt im Einsatz, andere noch am Wochenende; einige wie Julian Draxler, Jerome Boateng oder Benedikt Höwedes waren lange verletzt, andere sind es noch. Und Spieler wie Mesut Özil oder Thomas Müller, die in der abgelaufenen Saison auf besonders viele Einsatzminuten gekommen sind, sollen laut Löw „die nächsten zwei, drei Tage mal ein bisschen runterfahren und geistig ein bisschen abschalten“.

So wird es in dieser Woche viele kleine Gruppen geben, die individuell arbeiten. Ziel ist es, alle Spieler bis Anfang kommender Woche auf ein möglichst gleiches Niveau zu bringen, wenn das Mannschaftstaktische im Vordergrund der Arbeit stehen wird. Für den Bundestrainer ist das traditionell der Kern der Vorbereitung, selbst wenn er sagt: „Unsere Mannschaft ist relativ gut eingespielt.“ Die Erfahrungen der Vergangenheit haben Löw gewissermaßen zur Gelassenheit erzogen. Auch vor der WM 2014 gab es einige angeschlagene Spieler wie Schweinsteiger, Philipp Lahm und Manuel Neuer, dazu folgenschwere Verletzungen in der Vorbereitung (Lars Bender, Marco Reus). „Mit diesen Begebenheiten sind wir immer gut zurechtgekommen. Ich möchte nicht anfangen zu jammern“, sagt Löw. „Wenn irgendjemand ausfallen sollte, dann gibt es einen anderen Spieler.“

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