Transparency International : "Das riecht nach Verschleierung"

Sylvia Schenk ist Vorstandsmitglied bei Transparency International Deutschland. Im Interview spricht die Korruptions-Expertin über die Fifa.

Sylvia Schenk.
Sylvia Schenk.Foto: p-a/dpa

Frau Schenk, wie sehr haben Sie die jüngsten Korruptionsvorwürfe gegen den Fußball-Weltverband Fifa überrascht?

Überrascht war ich nicht. Zum einen, weil nicht immer die integersten Leute in solchen Gremien sitzen. Und zum anderen, weil die Vergabe solcher sportlicher Großveranstaltungen immer mit erheblichen Risiken verbunden ist.

Zwei Funktionäre aus dem Exekutivkomitee sollen ihre Stimmen für Geld angeboten haben. Hat die Fifa ein Strukturproblem, oder geht es hier um das Personal, das anfällig für Bestechung ist?

Beides. Korruption hat immer mit den handelnden Personen zu tun – irgendjemand kann immer weich werden, egal wie toll die Strukturen sind. Bei der Fifa und generell bei internationalen Sportverbänden hat es aber auch damit zu tun, wie viel Transparenz da herrscht, wie die Kriterien für die Vergabe sind, wie eng das Gremium geführt und kontrolliert wird.

Über die Vergabe der milliardenschweren WM-Turniere entscheidet bei der Fifa ein enger Zirkel von 24 Männern. Führt das zwangsläufig zu Mauscheleien?

Allein die Größe ist nicht entscheidend. Das Hauptproblem ist die generelle Haltung. Bei der Fifa kann man nun wirklich nicht von einer Null-Toleranz-Haltung sprechen, bei der jede Kleinigkeit untersucht, verfolgt und sanktioniert wird.

Was muss sich ändern?

Jedes Fifa-Mitglied müsste eine Meldepflicht für jede Art von Annäherungsversuchen haben. Und es muss Transparenz geben. Man kann zum Beispiel im Internet veröffentlichen, wer wann was entscheidet und wer wann wohinfliegt. Allen Beteiligten und Außenstehenden muss klar sein, dass rein gar nichts toleriert wird. Das fängt schon weit vor der strafrechtlichen Frage der Korruption an. Wenn alle Welt wüsste, bei der Fifa kann man bei niemandem landen, hätten es die englischen Journalisten ja gar nicht erst versucht.

Die Funktionäre gaben an, sie wollten mit dem Geld Fußballplätze bauen oder eine Fußball-Akademie gründen. Ist es eine beliebte Methode, Bestechung in den Mantel einer guten Tat zu hüllen?

Das riecht nach Verschleierung. Es wäre interessant zu erfahren, ob alle Entwicklungshilfegelder der Fifa tatsächlich zu 100 Prozent in den jeweiligen Projekten landen, auch da fehlt es an Transparenz. Es gibt Hinweise von Zweckentfremdung von Geldern, das kann auch die Fifa nicht leugnen. Natürlich sagt heute niemand mehr: „Dann gib’s mir halt cash auf die Hand.“ So schlau sind die meisten inzwischen dann doch. Trotzdem: Selbst wenn das Geld wirklich für einen guten Zweck eingesetzt wird, ist es ein unzulässiger Vorteil für einen Dritten, und der Bestochene verschafft sich einen persönlichen Vorteil, weil er sich in seinem Verband damit brüsten kann, Gelder akquiriert zu haben. Auch das ist Korruption.

Die Fifa hat ihre Ethikkommission mit der Untersuchung des Falls betraut. Wie groß sind die Chancen, dass der Vorfall tatsächlich Folgen hat?

Ich will der Ethikkommission nicht von vornherein absprechen, dass sie dazu in der Lage ist – man wird aber sehen, wie unabhängig sie arbeiten kann. In Ethikkommissionen sitzen meist verdiente Funktionäre, die die verdächtigten verdienten Funktionäre seit Jahrzehnten kennen. Das macht es natürlich nicht einfacher.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

Sylvia Schenk, 58, ist Vorstandsmitglied bei Transparency International Deutschland. Von 2007 bis 2010 war die Rechtsanwältin Vorsitzende der Anti-Korruptions-Organisation.

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