Sport : Trauer um die Brüder

Nach dem Unfalltod der Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe wird der Handball-Spielbetrieb fortgesetzt

Foto: dapd
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Balingen - Es war kein normaler Morgen. Um zumindest ein wenig für Ablenkung zu sorgen, ließ Trainer Rolf Brack die Mannschaft des Handball-Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten bei der samstäglichen Einheit Fußball spielen. Eigentlich eine sehr beliebte Abwechslung zum Alltagsprogramm. Doch von Spaß war nichts zu spüren. Zu tief saß der Schock über den Tod von Bernd und Reiner Methe. Die beiden deutschen Schiedsrichter waren am Freitagabend auf dem Weg zum Spiel der Balinger gegen den SC Magdeburg tödlich verunglückt.

Aus bisher noch ungeklärter Ursache waren die 47 Jahre alten Zwillingsbrüder Methe mit ihrem Fahrzeug auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem LKW zusammengestoßen. In Balingen ahnte man von der Tragödie zunächst nichts. Die Mannschaften machten sich warm, die rund 2000 Zuschauer freuten sich auf das Spiel. Doch die Referees kamen nicht. Die Partie wurde abgesagt. Von dem tödlichen Unfall erfuhren die Mannschaften erst rund eine Stunde später. Binnen Sekunden schlug die Ungewissheit in Entsetzen um. „Das ist an Tragik nicht zu überbieten“, sagte HBW-Trainer Rolf Brack. SC-Torhüter Gerrie Eijlers erklärte, die Gedanken der Magdeburger Mannschaft seien „bei den Schiedsrichtern und ihren Angehörigen“.

Bernd und Reiner Methe waren seit 1987 Schiedsrichter und leiteten für den Deutschen Handball-Bund (DHB) 670 Spiele. Seit mehr als zehn Jahren pfiffen sie international und zählten zu den weltweit besten Gespannen. 2010 leiteten sie in Wien das Finale der Europameisterschaft zwischen Frankreich und Kroatien, im Dezember sollten Methe/Methe auch bei der Frauen-WM in Brasilien zum Einsatz kommen.

„Das ist ein Schicksalsschlag – da zählen für mich nur die Familien“, sagte DHB-Schiedsrichterchef Peter Rauchfuß: „Der Verlust ist nicht zu beschreiben. Ich weiß nicht, wie wir die Sache verarbeiten sollen.“

Die Spiele der Handball-Bundesliga (HBL) am Wochenende finden trotz der Tragödie statt. „Wahrscheinlich ist das richtig. So ganz wissen wir es aber auch nicht“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann: „Natürlich fragen wir uns, ob es mit der Pietät vereinbar ist, die Spieler und Schiedsrichter in so eine Situation zu bringen.“ Bohmann hatte noch am Freitag telefonischen Kontakt zu den im Einsatz befindlichen Unparteiischen und Vereinen aufgenommen. Teams und Schiedsrichter laufen an diesem Spieltag mit Trauerflor auf, vor Spielbeginn wird der Verstorbenen mit einer Schweigeminute gedacht.

Den Schiedsrichtern ist es freigestellt, ob sie in der schwierigen Situation zur Pfeife greifen wollen. „Es kann kurzfristig zu Umbesetzungen kommen“, sagte Bohmann, der von den Klubs Rückendeckung für die Entscheidung erhielt. Zumal eine Absage der Spiele aufgrund des engen Terminkalenders einiger Vereine zu weitgehenden Problemen geführt hätte.

Lemgos Geschäftsführer Volker Zerbe, der mit dem TBV am Samstagabend beim deutschen Rekordmeister THW Kiel antrat, sagte: „Die Brüder Methe haben ihren Job mit sehr viel Leidenschaft ausgeübt und ihr Hobby ja praktisch zum Beruf gemacht. Die Entscheidung zu spielen, ist sehr schwer. Aber ich denke, es wäre in ihrem Sinne gewesen.“dapd

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