Sport : Traumpaare existieren meist nur auf dem Eis

JUTTA DEISS

Bei Kilius/Bäumler war es nicht anders als heute bei Wötzel/Steuer: Glamour und Streit VON JUTTA DEISS

Oberstdorf."Das waren noch Zeiten", seufzen die Omas in Erinnerung an der Deutschen liebstes Eiskunstlauf-Beziehungsgeflecht mit Namen Kilius/Bäumler, das die blonde Marika einst jäh zerstörte, als sie ihren Hans-Jürgen sitzen ließ und Hochzeit mit Millionär Zahn feierte.Liebe, Trennung und die Suche nach dem neuen Glück sind so alt wie das Eiskunstlaufen - und nun schmelzen die Fans wieder dahin, wenn sie Mandy Wötzel und Ingo Steuer bei den Deutschen Meisterschaften in Oberstdorf erleben, wie sie auf dem Eis zu romantischer Musik laufen und springen und scheinbar einander verliebt in die Augen sehen: "Was für ein schönes Paar." Ach wie so trügerisch sind solche Augen-Blicke: Wötzel/Steuer sind ein erfolgreiches, aber kein verliebtes Paar.Schon länger nicht mehr.Als der schwarzhaarige Ingo seine blonde Mandy nach dem berühmten Sturz von Lillehammer liebevoll und telegen vom olympischen Eis trug, kriselte es längst, und im Sommer 1994 folgte der Bruch."Wir haben", erklärte Mandy im Winter danach als eben gekürte Europameisterin, "lediglich die Liebesbeziehung aufgegeben".Fortan sei man Freund und Kumpel.Aber sie unterlagen immer wieder den Anziehungs- und Abwehrkräften ihrer Gefühle, was Trainerin Monika Scheibe nicht selten an den Rande des Nervenzusammenbruchs brachte. Erst letzten Sommer drohte einmal mehr die Scheidung des Sportlerpaares, ehe die Aussicht auf den Erfolg und damit verbundene Einkünfte als Kitt wirkten und zu der Einsicht führten, "daß die ständigen Differenzen nichts bringen" (Scheibe).Man einigte sich erneut auf die vormals gefundene Regelung.Mandy Wötzel: "Wir haben ein geschäftliches Verhältnis." Ingo Steuer: "Wir sind eine Firma und gehen gemeinsam zur Arbeit aufs Eis." Die Firma macht Gewinn: Allein in dieser Saison haben die beiden schon mehr als 90.000 Dollar mit ihren Siegen auf ihr Unternehmen gebucht.Als einzige Favoriten auf den nationalen Titel fährt die Gemeinschaft mit beschränkter Haftung als Medaillenanwärter zu den Europameisterschaften nach Paris und den Weltmeisterschaften nach Lausanne. Konkursgefährdet sind solche Beziehungen stets, denn sie müssen auf dem Eis schauspielern, was ihnen im Leben fehlt: intensiv-menschliche Nähe.Die Eistänzerin Kati Winkler ist deswegen der Überzeugung, daß man "unbedingt von Anfang an klären muß, wie die Beziehung aussehen soll.Sonst geht irgendwann alles kaputt." Mit Rene Lohse verbindet sie "enge Freundschaft".Lieben tut sie einen anderen. So geht es auch: Peggy Schwarz, 1988 mit Alexander König EM-Dritte im Paarlauf, kehrt nach ihrer Baby-Pause (der Sohn ist 15 Monate alt) mit dem neuen Partner Mirko Müller aufs Eis zurück.Sie war und ist weder mit dem einen noch mit dem anderen liiert.Der Papa des Sohnemanns ist ein anderer.Die private Distanz schützt freilich vor körperlicher Auseinandersetzung nicht: Bei ihrem internationalen Debüt in Kanada rammte Peggy Schwarz ihrem Partner den Ellenbogen bei der Landung vom dreifachen Wurf-Lutz so schmerzhaft ins Gesicht, daß dieser die Kür blutübertrömt abbrechen mußte, in der Kabine ohnmächtig wurde und danach im Gesicht genäht werden mußte. Eiskunstlauf-Paare sind zwangsläufig temperamentvolle Geschöpfe: Sie küssen und sie schlagen sich.Der Eistanz-Trainer Martin Skotnicky verfügt über eine ebenfalls sehr reichhaltige Erfahrung an unterschiedlichen Beziehungen unter seinen prominenten Schützlingen.Die Franzosen Isabelle und Paul Duchesnay sind als Geschwister erfolgreich, aber beleibe nicht immer einer Meinung gewesen.Die Finnen Susanna Rahkamo und Petri Kokko haben sich als Freunde präsentiert, als sie schon lange ein Liebespaar waren und bescherten ihren Fans mit dem Wechsel ins Profilager endlich einmal wieder ein Happy-end: Die Hochzeit fand in Helsinki statt.Kati Winkler und Rene Lohse sind Freunde.Und sie sind alle Schauspieler.Auf dem Eis stets ineinander verliebt, außerhalb einander anvertraut und aufeinander angewiesen. Sie lieben sich, mögen sich, hassen sich, trennen sich - und halten doch aneinander fest: "Was sind das für Zeiten", stöhnen die Omas - und wissen insgeheim, daß sich gar nichts geändert hat.Es war nämlich damals bei Kilius/Bäumler nicht anders als heute bei Wötzel/Steuer.Traumpaare waren und sind meistens nur Erfindungen der Sehnsucht ihrer Fans...

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