Triple-Gewinn : Das Kunststück der BR Volleys

Die BR Volleys machen mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft das Triple perfekt. Die Berliner lassen Friedrichshafen keine Chance.

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Tulpen, Konfetti und die Berliner Spieler mit der Meisterschale. Foto: dpa
Tulpen, Konfetti und die Berliner Spieler mit der Meisterschale.Foto: dpa

Das Podium auf dem Spielfeld nutzten sie sofort aus. Als die Spieler der BR Volleys darauf warteten, dass ihnen die Meisterschale übergeben wird, führte Erik Shoji gekonnt einige Tanzbewegungen vor und Felix Fischer und Sebastian Kühner hüpften auf den erhöhten Brettern kräftig auf und ab. Mit Siegerehrungen haben die Berliner in dieser Saison eben Erfahrung. Und doch war am Sonntag noch mal vieles anders.

Denn die Volleys feierten nun den ersten ihrer drei Titel vor heimischem Publikum. Sie gewannen am Sonntag auch das dritte Spiel der Play-off-Finalserie „best of 5“ mit 3:0 (26:24, 25:16, 25:21) gegen den VfB Friedrichshafen. So holten die Berliner ihren siebten Meistertitel und krönten eine grandiose Saison mit dem ersten Triple in der Vereinsgeschichte. Zum dritten Mal standen sie also im Konfetti-Regen. Golden war er im DVV-Pokal, kunterbunt im CEV-Pokal und nun orange-weiß in der Max-Schmeling-Halle. „Es war eine überragende Leistung“, lobte Manger Kaweh Niroomand. „Die Spieler haben das Kunststück geschafft und sind fokussiert und entspannt zugleich geblieben.“

An ihrer Entschlossenheit ließen die Volleys zu keiner Zeit Zweifel aufkommen. „Wir haben dem Gegner die Bälle quasi in den Hals gedrückt“, sagte Diagonalangreifer Paul Carroll. Der Australier wurde während des Spiels noch besonders motiviert, weil sein fünf Wochen alter Sohn Nolan zum ersten Mal bei einer seiner Partien dabei war. „Ich habe ihn nach meinem Ass zum ersten Satzgewinn gesehen. Das werde ich nie vergessen“, schilderte Carroll. Und Trainer Roberto Serniotti, der am Sonntag seinen 54. Geburtstag feierte, sagte ergriffen: „Das ist so fantastisch. Ich werde eine Weile brauchen, bis ich das alles realisiere.“

Sichtlich bewegt war auch Friedrichshafens Trainer Stelian Moculescu nach Spielende. Für den Rumänen, der den VfB zu 13 Meistertiteln und dem Champions-League-Sieg 2007 geführt hat, war die Niederlage das letzte Spiel nach 19 Jahren als Trainer des Klubs. Als der Hallensprecher das noch mal verkündete, erhob sich das Publikum und applaudierte lange. In Deutschland sei seine Trainerkarriere nun vorbei, sagte Moculescu, eventuell würde ihn noch eine Aufgabe im Ausland reizen. So sehr sich die Berliner auch stets erbitterte Duelle mit ihm geliefert haben, Niroomand würdigte Moculescu: „Er hat immer dafür gesorgt, dass Friedrichshafen richtig stark war.“

Am Sonntag waren die Volleys jedoch etwas besser, und das deutete sich schon vor dem ersten Ballwechsel an. Denn in der Halle herrschte eine besondere Stimmung. Die ohnehin schon große Lautstärke war noch einige Dezibel lauter als sonst. Die 8120 Zuschauer, darunter Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) und der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), trieben die Mannschaft pausenlos an, schrien noch lauter und hauten noch stärker in ihre Klatschpappen als zuvor in der Saison.

Die Volleys ließen sich von der Atmosphäre tragen. Mit starken Aufschlägen, variablem Angriffsspiel und großem Einsatz in der Annahme setzte sich Serniottis Team Mitte des ersten Satzes von 15:15 auf 21:18 ab.

Doch Friedrichshafen gab sich nicht geschlagen. Und Moculescu hatte noch ein paar taktische Tricks auf Lager. Beim Stand von 21:22 aus Sicht der Gäste wechselte er den zweiten Zuspieler Tomas Kocian ein. Mit Kocians geschickten Aufschlägen drehte der VfB den Spielstand auf 23:22. Serniotti konterte sofort. Der Italiener wechselte Kühner ein. Ihm gelang prompt ein Ass zum 24:23 – und Carroll verwandelte danach den zweiten Satzball zum 26:24.

Im nächsten Durchgang hatte Paul Lotman seinen großen Auftritt. Beim Stand von 8:8 gelangen dem US-Amerikaner drei krachende Aufschläge und die Volleys zogen auf 11:8 davon. Seine Mitspieler präsentierten fortan ebenfalls ihre große Aufschlagstärke und die Berliner gewannen den zweiten Satz deutlich mit 25:16.

Die Überlegenheit bei den Aufschlägen zeigten die Volleys auch im dritten Durchgang. So drehten sie erneut einen anfänglichen Rückstand (3:5) in ein 14:10. Diesen Vorsprung ließen sich die Berliner nicht mehr nehmen. Sie holten sich auch den dritten Satz mit 25:21 – und dann konnten sie das tun, worin sie in dieser Saison bereits so viel Erfahrung haben: Feiern.

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