Sport : Trockener Schnee

Die deutschen Skifahrer bleiben bei der WM wohl ohne Medaille – und haben keine Erklärung dafür

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Bormio Falsch gemacht hat niemand etwas. So lautet zumindest das Ergebnis der Analyse, die Trainer und Athleten am Sonntagabend gemeinsam durchführten. Dennoch haben die Athleten des Deutschen Ski-Verband (DSV) nach der Hälfte der Weltmeisterschaften in Bormio noch keine Medaille geholt, und das wird wohl bis zum Schluss erneut so bleiben. Zuletzt gewann Martina Ertl vor drei Jahren bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City Bronze in der Kombination. „Wir haben die besten Möglichkeiten vertan, jetzt muss man sich überraschen lassen. Vielleicht passiert noch ein Hammer“, sagte Wolfgang Maier, Cheftrainer der Damen-Mannschaft. Von einer Krise will aber niemand sprechen. „Es gibt keinen Grund, in Depressionen zu verfallen. Die Stimmung ist gut, die Mannschaft ist intakt“, sagte Walter Vogel, der Alpinchef des DSV.

Die größte Hoffnung hatten die Trainer in Hilde Gerg gesetzt. Sie sollte zumindest eine Medaille gewinnen, so lautete der Plan der deutschen Betreuer. Doch die 29-jährige wurde nur Achte in der Abfahrt, ihre schlechteste Platzierung in dieser Saison. „Es gibt keinen Vorwurf, weder an Hilde noch an die Trainer“, sagte Vogel. Im Gegensatz zu den Männern hatte man bei den Frauen auf eine Medaille gehofft, doch die beste Platzierung ist bisher der sechste Platz von Florian Eckert im Super-G.

Beim Riesenslalom der Frauen (heute, 9.30 und 13 Uhr) ist Martina Ertl die einzige deutsche Starterin, die nach vorne fahren könnte – obwohl sie nach einer Gehirnerschütterung weiter Kopfschmerzen hat und nach ihrem siebten Platz in der Kombination nach Hause gefahren war, um sich zu erholen. Die Experten trauen Annemarie Gerg und Petra Haltmayr nicht zu, besser als Ertl zu fahren. Der DSV hat eigentlich vier Startplätze für jede Disziplin, doch die werden in keinem Wettbewerb komplett genutzt. Auch die Damen-Mannschaft ist in der Breite nicht stark genug besetzt, das Fehlen der verletzten Maria Riesch sowieso nicht zu kompensieren.

Personelle Konsequenzen wie nach der WM 2003, als mehrere Trainer zurückgestuft wurden, schloss Alpinchef Vogl dennoch aus. „Solche Gedankenspiele finden überhaupt nicht statt. Ich glaube nicht, dass panische Reaktionen zielführend wären“, sagte Vogl. Nähere Erklärungen für das nicht zufriedenstellende Abschneiden brachte die Zwischenanalyse nicht. „Bei diesen Bedingungen, mit großer Kälte und trockenem Schnee, ist die Konkurrenz momentan besser“, sagte Vogl.

Frauen-Trainer Maier drückte die Ratlosigkeit sarkastisch aus: „Ich wollte mich an meinem Akkreditierungsband erhängen, aber es ist gerissen.“ So muss er weiter zusehen, denn die elf Wettbewerbe der WM sind auf 16 Tage gestreckt und dauern damit so lange wie Olympische Spiele. „Wir sind dieses Jahr nicht auf die freien Tage angewiesen, weil das Wetter mitspielt. Die Verlängerung wurde uns von den Fernsehanstalten aufgezwungen“, sagte Gian-Franco Kasper, der Präsident des Weltverbandes. Es bleibt also genug Zeit, sich noch einmal zusammenzusetzen. Tsp

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