Sport : Trotz zweier Strafrunden gewonnen

Biathlon-Staffel der Frauen holt vierten Sieg

Michael Neudecker

Ruhpolding - Turbulent, ja, das war eine durchaus korrekte Umschreibung für diese Staffel der Frauen zum Auftakt der Biathlon-Woche in Ruhpolding. „So turbulent hab ich es noch nie erlebt“, sagte also Bundestrainer Uwe Müssiggang in der Dunkelheit des Mittwochabend, er lächelte dabei. Schließlich hatten die Turbulenzen ja ein gutes Ende für die deutschen Frauen: Sie gewannen das vierte von vier Staffelrennen dieser Saison, vor Norwegen und Russland. Schuld an den Turbulenzen war vor allem Magdalena Neuner.

Das Schöne am Biathlon ist ja, dass allein die Schreie der Zuschauer viel erzählen über das, was auf der Strecke und am Schießstand passiert. In Ruhpolding ist das vielleicht noch schöner als anderswo: Weil die meisten der rund 15 000 Zuschauer nur wenige Meter hinter dem Schießstand im Rücken der Athleten auf einer großen Tribüne versammelt sind, und weil ihre Aahs und Oohs auf die Bergwand gegenüber prallen und von dort zurück auf die Athleten. Als Magdalena Neuner, die noch in Oberhof vergangene Woche pausieren musste, als zweite Läuferin an Position fünf von Startläuferin Kathrin Hitzer übernahm, da jubelten die Zuschauer, und Neuner lief los, nein: Sie sprintete. Noch vor dem ersten Schießen hatte sie über 30 Sekunden und zwei Platzierungen aufgeholt, dann traf sie alle fünf Versuche. „Heeey“, machte Ruhpolding, und Neuner ging kurz darauf in Führung. Doch dann kam das zweite Schießen.

„Wenn man die Jubelstöße der Zuschauer hört, dann ist man erleichtert“, sagte Schlussläuferin Kati Wilhelm später, „aber wenn man einen anderen Ton hört, naja...“ Sie sprach den Satz nicht zu Ende. Als Magdalena Neuner vor den Zielscheiben stand, da veränderte sich der Ton der Zuschauer. Sie schoss bei acht Versuchen zweimal daneben, musste zwei Strafrunden drehen – und fiel wieder zurück auf Rang fünf.

„Sie hat überpaced“, sagte Müssiggang, und meinte: Sie ist schneller gelaufen, als abgesprochen war. Ihre Aussichten für einen Staffelstartplatz bei der WM in Schweden in zwei Wochen dürfte das nicht verbessert haben, zumal Müssiggang durchblicken ließ, dass Martina Glagow, Andrea Henkel und Wilhelm wohl gesetzt sind, die vierte Position aber offen ist. Von Neuner sprach er dabei nicht.

Weil aber Sabrina Buchholz und Kati Wilhelm den Rückstand aufholten, bleibt die deutsche Frauenstaffel in dieser Saison unbesiegt. Für Magdalena Neuner machte es das ein wenig leichter: „Im Moment ärgere ich mich“, sagte sie, „aber wenn ich aus dem Stadion raus bin, ist das vorbei.“ Michael Neudecker

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