• Trübe Zukunftsaussichten: Der deutsche Wasserball muss lernen, sich selbst zu helfen

Trübe Zukunftsaussichten : Der deutsche Wasserball muss lernen, sich selbst zu helfen

Wasserball verliert an Wertschätzung, Wahrnehmung und Geld. Doch vor allem fehlt es an Visionen. Ein Kommentar.

Ohne die Förderung des DSV brechen schwere Zeiten an für Marko Stamm und die Wasserball-Nationalmannschaft.
Ohne die Förderung des DSV brechen schwere Zeiten an für Marko Stamm und die Wasserball-Nationalmannschaft.Foto: dpa/SRDJAN SUKI

Es sind trübe Nachrichten für den deutschen Wasserball. Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) spart sich die Sportart in Zukunft, so scheint es: Angesichts ausstehender Entscheidungen erhält die Fachsparte Wasserball zur Zeit nicht mal ausreichend Geld für einen Bundestrainer. So bekleidet Hagen Stamm, Präsident der Wasserfreunde Spandau, das Amt weiter im Ehrenamt. Womöglich ein Modell mit Zukunft: Der DSV will sich auf Schwimmen und Wasserspringen konzentrieren – bei Olympischen Spielen medaillenträchtiger als Wasserball. Da ist die Qualifikation für Olympia der größtmögliche Erfolg. Selbst damit dürfte es künftig schwer werden, wenn nicht etwas passiert: Der deutsche Wasserball braucht Menschen mit Visionen, braucht das Besondere, braucht zum Beispiel sein „Winter Game“.

Kontinuierlich verlieren die deutschen Wasserballer an öffentlicher Wertschätzung, allen voran Rekordmeister Wasserfreunde Spandau 04. In der Vereinigung der sechs Berliner Profiklubs spielen die Spandauer nicht mit, da hat ihnen der geschäftstüchtige Manager Kaweh Niroomand mit den BR Volleys vor ein paar Jahren die Tür vor der Nase zugeschlagen. Aber genau deshalb sollten die Wasserfreunde mal hinschauen, was Bob Hanning bei den Füchsen oder eben Niroomand aufgebaut haben. Als die Volleys vor ein paar Jahren in die Max-Schmeling-Halle umgezogen sind, hieß es allerorts, die Arena sei zu groß für Volleyball. Würde heute niemand mehr sagen.

Die Wasserfreunde spielen seit Jahren in der immer weniger besuchten Halle in Schöneberg. Mit der Angst, wenigstens den Status Quo zu halten, aber nicht mit dem Glauben an mehr – aber den sollten sie schüren. Wie wäre es mal mit einem Großevent vor ein paar Tausend Zuschauern in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee? Im Eishockey füllen sie wie am Samstag in Sinsheim mit ihrem „Winter Game“ Spiele in Fußballstadien – um Aufmerksamkeit zu gewinnen. Genau dieser Mut scheint dem Wasserball abzugehen. Aber die Sportart braucht Menschen mit Visionen, die über so etwas laut nachdenken. Das hilft mehr als das Klagelied über fehlende Fördergelder. Der deutsche Wasserball muss lernen, sich selbst zu helfen.

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