Sport : Tüv mit Tücke

Michael Rosentritt

Pünktlich zum Start der neuen Europapokalsaison hat der europäische Fußball-Verband einen wichtigen Beschluss gefasst. Nach dem Vorbild des Lizenzierungsverfahrens der Bundesliga will die Uefa eine Art Finanz-Tüv einführen. Wesentlichster Punkt ist, dass ab der Saison 2012/13 die Ausgaben für Spielertransfers und -gehälter die Vermögenswerte der Vereins nicht mehr übersteigen dürfen. Verstöße könnten bis hin zum Ausschluss führen.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob die Uefa tatsächlich den Mut aufbrächte, Klubs wie Real Madrid oder Manchester United auszuschließen; der Ansatz aber ist ein guter. Ein Immer-Weiter-So birgt eine große Gefahr. Die Mega-Transfers des Sommers passen so gar nicht in die gegenwärtige Wirtschaftskrise. Madrid hatte allein für die Transfers (ohne Gehälter) von Cristiano Ronaldo (94 Millionen Euro), Kaka (65) und Karim Benzema (35) nahezu 200 Millionen Euro ausgegeben, die selbst bei einem Gewinn der Champions League nicht vernünftig wirtschaftlich darstellbar sind. Noch schlimmer ist die Signalwirkung auf etwas kleinere Verein, die extrem über ihre Verhältnisse wirtschaften und kurz vor dem Ruin stehen.

Die Einführung eines einheitlichen Tüv für alle Europapokalteilnehmer kann diese Gefahr mindern. Nur darf hierzulande niemand glauben, dass dadurch die Chance auf den Gewinn des Champions-League-Titels durch eine deutsche Mannschaft wieder wahrscheinlicher wird. In England und Spanien werden die Zuwendungen aus der TV-Vermarktung und von privaten Gönnern weiterhin höher bleiben.

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