Sport : Turnier in Key Biscayne: Acht Matchbälle abgewehrt

Venus Williams hat beim "Tropen-Thriller" von Key Biscayne acht Matchbälle von Jennifer Capriati abgewehrt und ihre faszinierende Serie mit dem dritten Sieg beim Tennisturnier in Florida gekrönt. Bei brütender Hitze um die 40 Grad und drückender Schwüle gewann die 20-Jährige das kuriose und zum Schluss hochdramatische Finale 4:6, 6:1, 7:6 (7:4). "Ich habe wirklich nie daran gezweifelt, dass ich dieses Match gewinne", erklärte die ältere der Tennis-Schwestern, die bei dem "Sauna-Gang" über 2:24 Stunden kühlen Kopf und starke Nerven behielt. Serena Williams war bereits im Viertelfinale des mit 2,72 Millionen Dollar dotierten Turniers gescheitert - an Capriati.

Die aus Wesley Chapel/Florida stammende Australian-Open-Siegerin Jennifer Capriati hatte zum Schluss nur noch die 16 000 Fans auf dem Centre-Court auf ihrer Seite. Nicht nur die Kräfte und Nerven verließen sie im 79-minütigen Schluss-Satz. "Mir hat heute im entscheidenden Moment das Quäntchen Glück gefehlt", meinte die 25- Jährige völlig ausgepowert. "Das war ein wahnsinnig enges Match. Eigentlich hatte es keinen Verlierer verdient. Ich hätte heute nicht besser spielen können."

Capriati verschenkte den elften Turniersieg ihrer wechselvollen Karriere, wurde für das Drama in drei Akten aber mit 195 000 Dollar belohnt. Dabei hätten beide Finalistinnen eigentlich "Strafgeld" zahlen müssen - zumindest für das "Kreisklasse-Tennis" der ersten beiden Sätze. Als Entschädigung boten sie im dritten Durchgang eine Weltklasse-Vorstellung. Insgesamt 124 vermeidbare Fehler produzierten Williams (71) und Capriati (53). Im ersten Satz gab es sieben Breaks; Capriati leistete sich 16, ihre Gegnerin 12 Doppelfehler.

Für Venus Williams sind die Ericsson Open endgültig zur Domäne geworden. Nach 1998 und 1999 gewann sie das Top- Turnier in Florida bereits zum dritten Mal; im Vorjahr musste sie verletzt absagen. 18 Matches in Serie hat sie seit 1998 gewonnen. "Ich habe hart dafür gekämpft", meinte die US-Open- und Wimbledon-Gewinnerin von 2000, die nach ihrem 15. Turniersieg am Montag erstmals zur Nummer zwei in der Tennis-Damenwelt hinter Martina Hingis (Schweiz) aufsteigt.

Venus Williams strahlte nach dem Sieg wie die Sonne über Florida. Als alles vorbei war, erhoben sich die Zuschauer von den Sitzen und spendeten auch ihr donnernden Applaus. Die Last der öffentlichen Diskussionen um ihren Vater, der Rassismus im Tenniszirkus angeprangert hatte, fiel von ihr ab. Mit der Siegprämie von 375 000 Dollar schraubte Venus Williams ihr Karriere-Preisgeld im achten Profi-Jahr auf stolze 7,3 Millionen Dollar.

Das Herrenfinale bestritten Andre Agassi und sein amerikanischer Landsmann Jan-Michael Gambill (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet). Australian-Open-Sieger Agassi, der vor zwei Wochen auch das erste diesjährige Masters-Turnier in Indian Wells gewonnen hatte, setzte sich im Halbfinale gegen den Australier Patrick Rafter nach 1:42 Stunden mit 6:0, 6:7 (2:7), 6:2 durch, Gambill besiegte den Australier Lleyton Hewitt mit 7:5, 6:4. Agassi, der mit einer Bilanz von 21:2 bereits vor dem Finale auf seinen besten Saisonstart seit 1995 zurückblicken durfte, hatte bereits vor zwei Wochen das Masters-Turnier in Miami durch einen Finalsieg gegen seinen Landsmann Pete Sampras gewonnen. Gambill schwört darauf, dass die 13 für ihn eine Glückszahl ist. Wenn er recht behält, würde der 23-Jährige in seinem ersten Finale bei einem Masters-Turnier als Gewinner den Centre-Court verlassen. Von seinen letzten 13 Matches hat er zwölf gewonnen und sagt zuversichtlich: "Ich bin bereit für den 13. Sieg. Ich fühle, dass ich zurzeit so gut spiele, dass ich jeden in der Welt schlagen kann."

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