• TV-Kritik: Wo ist der olympische Geist? Wo ist Eddie the Eagle? Wo ist Eric the Eel?

TV-Kritik : Wo ist der olympische Geist? Wo ist Eddie the Eagle? Wo ist Eric the Eel?

Ingo Wolff fragt nach den Momenten, die bleiben von diesen Spielen.

Ingo Wolff

Die erste halbe Stunde Olympia gibt es in gedämpfter Dosis. Was früher der Radiowecker war, hat in den vergangenen zwei Wochen der Fernseher übernommen. Um sechs Uhr schlummert Peking noch dahin, jedenfalls in deutschen Schlafzimmern. Meist sind es um diese Zeit irgendwelche Ballspieler, die dem Ton dann ein erstes verschwommes Bild geben. Doch diesmal war alles anders. Das Auge musste irren. Nur ein Traum oder doch im falschen Jahrzehnt aufgewacht? Menschen auf BMX- Rädern gehören eindeutig in die 80er. Und dann erschien auch noch Michael Steinbrecher mit seiner Fönwelle.

Es ist alles echt, weil alles irgendwie wiederkommt. Doch das ist leider schon alles, was bei diesen Olympischen Spielen an früher erinnert. Damit ist nicht der hervorragende Auftritt vieler Topathleten gemeint. Es ist dieser olympische Geist, der fehlt. Olympia kommt zu sauber herüber, jedenfalls im bildlichen Sinn.

Die Paradiesvögel fehlen

Es stehen diesmal nur – trotz aller kuriosen Randgeschichten aus China – die sportlichen Erfolge im medialen Interesse. Es fehlen die Paradiesvögel, die hoffnungslosen Außenseiter. Einer, der aus dem Wasser steigt, wenn Michael Phelps schon unter der Dusche steht. So wie Eric Moussambani, der die 100 Meter Brustkraul in Sydney nur knapp unter zwei Minuten beendet hatte. Ein Typ wie Eddie the Eagle. Nicht umsonst nannte man ihn Eric the Eel.

Es sind Heldengeschichten, die in Peking geschrieben werden. Olympiasieger, die den Krebs besiegt haben oder im größten Moment an ihre kürzlich gestorbenen Liebsten erinnern. Oder tragische Klassiker, die eben zweimal neben die Stange greifen. Fabian Hambüchen, der Jürgen Hingsen des Turnens. Doch die Tragikomödie ist diesmal nicht im Programm

Die kuriosesten Bilder bei ZDF und ARD stammen diesmal vom Band, und darin weiden sich die Sender ausgiebig. Bei keinen Spielen vorher erinnert man sich an solch eine Fülle von historischem Material. Von Peking werden solche Bilder im Archiv fehlen.

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