U21-Trainer Adrion vor dem Aus : Blamage ohne Beispiel

U21-Nationaltrainer Rainer Adrion wird nach der 1:4-Niederlage auf Island und der damit verpassten Qualifikation für die EM-Endrunde wohl seinen Job verlieren.

von und Gregor Derichs

Berlin - Für Rainer Adrion endete die Dienstreise nach Island mit einer erfreulichen Erkenntnis: Er ist weiterhin Trainer der deutschen U-21-Fußballer. Adrion aber ist lange genug im Geschäft, um die Aussagen seiner Vorgesetzten richtig einzuordnen. „Wir sind alle sehr überrascht und auch enttäuscht“, sagte etwa Bundestrainer Joachim Löw, der unmittelbar vor dem Testspiel der A-Nationalmannschaft in Dänemark von der 1:4-Niederlage der U 21 in Island erfahren hatte. „Wir werden das jetzt in den nächsten Tagen mal überarbeiten. Das wird intern ein Gesprächsthema werden.“ Auch Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), kündigte eine verbandsinterne Aufarbeitung des Geschehens an. Man kann sich leicht ausmalen, wie die Aufarbeitung aussehen wird. Rainer Adrion wird trotz der Protektion durch Löw seinen Job verlieren.

Sein Name jedenfalls bleibt fortan mit einer beispiellosen Blamage für den deutschen Fußball verbunden. Nie zuvor in ihrer Geschichte hat Deutschlands U 21 ein Qualifikationsspiel höher verloren als am Mittwoch in Hafnarfjördur. Der amtierende Europameister hat daher schon zwei Spieltage vor Schluss keine Chance mehr, sich für die EM-Endrunde im kommenden Sommer zu qualifizieren. Und auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 hat die Mannschaft bereits verwirkt. Hinzu kommt der Gesamteindruck. Adrion ist es seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr nie gelungen, aus den durchaus talentierten Einzelspielern eine Mannschaft mit Struktur zu formen. Allerdings war die Situation auch nicht immer einfach für ihn. „Nach dem EM-Titel sind viele Spieler nach oben gezogen worden, die normalerweise noch in der U 21 spielen können“, sagt Bundestrainer Löw. „Da gab es schon einen großen Umbruch.“

Die U 21 ist damit auch ein Opfer ihres eigenen Erfolges geworden. Bei der WM in Südafrika standen sechs Spieler im Kader der Nationalmannschaft, die noch für den Nachwuchs spielen könnten. Wer aber einmal oben angekommen ist, für den gibt es keinen Weg zurück. „Diese Spieler sind vom Kopf her A-Nationalspieler“, sagt Löw, „die kann man nicht für ein Spiel nach unten geben. Da muss dann eben auch was nachkommen.“ gd/sth

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