Sport : Über Geld spricht man nur ungern Was Hoffenheim und Wolfsburg verbindet

Frank Hellmann

Mannheim - Emotionale Berührungspunkte zwischen 1899 Hoffenheim und dem VfL Wolfsburg kann es eigentlich kaum welche geben. Die einen sind schlicht zu frisch in der Fußball-Bundesliga, den anderen fehlt immer noch ein Stückchen Tradition. Vielleicht taugt deshalb dieses Duell so gut für die Aktion Ein Herz für Kinder: Einträchtig werden heute beide Mannschaften im Mannheimer Exil mit dem Logo der Hilfsorganisation auf den Trikots auflaufen. Mit so einer Aktion macht man sich Freunde. Und so etwas verbindet.

Genau wie die zwischen den Kontrahenten leicht zu übersehene Querstrebe Tomislav Maric. Der 35-Jährige hat zwischen 2000 und 2005 in Wolfsburg gespielt, 31 Tore geschossen und zeitweise ging der Kroate gar als stürmende Identifikationsfigur der Wölfe durch. Seit drei Jahren arbeitet Maric nun für Hoffenheim – als Kotrainer mit dem Spezialgebiet, die Abteilung Attacke zu trimmen. Dass Vedad Ibisevic, Demba Ba, Chinedu Obasi derzeit die Liga im Sturm erobern, schreibt Maric nicht zuletzt sich selbst zu. „Da ich ja selbst mal Stürmer war, kann ich ein bisschen was weitergeben“, sagt er.

Die Lektionen haben rasend schnell gefruchtet: Hoffenheim rangiert derzeit vor Bayern, Hamburg und Schalke, Wolfsburg immerhin vor Bremen und Stuttgart. Zwei Emporkömmlingen aus der Provinz ist es zu verdanken, dass das scheinbar betonierte Tabellengebilde bröckelt. Hier ein Dorf im Kraichgau zwischen Rhein und Neckar; dort die Autostadt im östlichen Niedersachsen. Ohne Dietmar Hopp und VW-Chef Martin Winterkorn gäbe es das Fortkommen im Fußball-Business nicht. Wo Hoffenheim sein Geld vorrangig in junge, unentdeckte Talente investierte, verpflichtete Wolfsburg im großen Stil gestandene Profis aus aller Welt.

Auf zirka 23 Millionen (Hoffenheim) oder rund 30 Millionen (Wolfsburg) belaufen sich die Schätzungen für den Personaletat – im Vergleich zu den opulenten 153 Millionen des FC Bayern tatsächlich ein Klacks. Doch über Geld redet man nur ungern. Dann schon viel lieber über die offensive Spielphilosophie ihrer Strategen. Trainer Ralf Rangnick ist in Hoffenheim fast ebenso mächtig wie Felix Magath in Wolfsburg. Der eine geht in der Öffentlichkeit als Theoretiker, der andere als Praktiker durch. Doch der gegenseitige Respekt vor dem heutigen Spiel ist riesig. „Die Qualität der Wolfsburger Offensive ist bemerkenswert“, sagt Rangnick. Und Magath ließ unter der Woche gar seine Reservisten den heutigen Gastgeber simulieren: drei Stürmer, frühes Stören, schnelles Spiel. So augenscheinlich hat sich der Wolfsburger Alleinherrscher lange nicht mehr am gegnerischen Team orientiert.Frank Hellmann

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