Sport : Überrunde mich!

Christian Hönicke

hofft, dass die Minardis bald wieder hinterherfahren Das positivste, was sich über die Leistungsfähigkeit der Minardis sagen lässt, ist, dass sie zur Verlängerung der Show beitragen. Während die Sieger schon längst im Ziel sind, kann der Fan das teure Erlebnis Formel-1-Wochenende noch ein wenig länger genießen und den langsamen schwarzen Autos zuschauen.

Vermutlich aber nicht am kommenden Wochenende. Der Rennstall kämpft ums Überleben, deshalb kann er sich die durch die Regeländerungen notwendig gewordenen teuren Umbauten am Auto in der Kürze der Zeit nicht leisten. Es wäre nicht mehr als eine Geste der anderen Teams gewesen, einem Start der Minardis in Melbourne trotzdem zuzustimmen. Selbst mit dem auf das alte Reglement ausgerichtete Auto dürfte Minardi mit WM-Punkten so viel zu tun haben wie Hansa Rostock mit der Champions League.

Umso verwunderlicher, dass ausgerechnet Ferrari so vehement gegen einen Minardi-Start protestierte. Hier geht es wohl eher um persönliche Differenzen zwischen den Teamchefs Jean Todt und Paul Stoddart. Das zeigt, dass selbst in der Krise offensichtlich noch immer nicht alle in der Formel 1 wissen, worum es wirklich geht. Der Verlust eines weiteren Rennstalls hätte weit reichende Folgen, selbst wenn es nur Minardi ist. Denn der Wert des Teams gründet sich nicht auf seiner Schnelligkeit: Sechs der 20 Fahrer hat Stoddarts Azubi-Werkstatt in die Formel 1 geholt. Die großen Rennställe profitieren davon. Daran sollte Ferrari denken – und Minardi die Möglichkeit bieten, sich bald wieder überrunden zu lassen.

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