Uefa-Cup : Chips am Hotelkiosk

Hertha muss in der Qualifikationsrunde des Uefa-Cups in der moldawischen Hauptstadt Chisinau antreten. Das beschwört Erinnerungen herauf.

Sven Goldmann

Ob Josip Simunic wieder mitfährt? Hertha BSC tritt in der Qualifikationsrunde des Uefa-Cups beim moldawischen Klub FC Nistru Otaci an. Gespielt wird in der Hauptstadt Chisinau. Das beschwört Erinnerungen herauf, und für Herthas kroatischen Nationalspieler dürften sie ein Argument sein, seinen Wechsel zum FC Fulham voranzutreiben.

Vor acht Jahren waren die Berliner schon einmal zu Gast in Chisinau. Im September 2000 fiel noch öfter die Stromversorgung aus, im Nationalstadion wurden die letzten Malerarbeiten ein paar Stunden vor dem Anpfiff erledigt. Und Josip Simunic machte in der ersten Uefa-Cup- Runde gegen Zimbru Chisinau das wahrscheinlich schlechteste Spiel seiner Karriere. Zum ersten Mal stand der damals 22 Jahre alte Verteidiger in der Startaufstellung, und er machte so ziemlich alles falsch. Nach einer hübschen Kette von Stellungsfehlern, verlorenen Zweikämpfen, Fehlpässen und einem verschuldeten Gegentor nahm Trainer Jürgen Röber den sensiblen Innenverteidiger zur Halbzeit aus dem Spiel. „Das war der tiefste Punkt in meiner Karriere“, hat Simunic später erzählt. „Schlechter habe ich nie wieder gespielt. Bis ich das überwunden hatte, hat es vier, fünf Monate gedauert.“

Michael Preetz, heute Leiter von Herthas Lizenzspielerabteilung, und der Iraner Ali Daei drehten mit ihren Toren einen 0:1-Rückstand noch zu einem 2:1-Sieg. 5000 Moldawier schauten zu, sehr übersichtlich arrangiert im frisch renovierten Nationalstadion. Für die Staatsgäste aus Berlin hatte die Stadtverwaltung die Straßenverkehrsordnung außer Kraft gesetzt. Rote Ampeln auf dem Weg von und zum Stadion waren für den Fahrer des Mannschaftsbusses nur von folkloristischer Bedeutung.

Nach dem Spiel kam es noch zu einem kleinen Eklat. Herthas brasilianische Diva Alex Alves verweigerte seine Teilnahme am Abendessen vor dem Rückflug nach Berlin mit dem aus seiner Sicht logischsten aller Argumente: Trainer Röber hatte ihn ausgewechselt. Da sich der Abflug aber hinauszögerte und Alves irgendwann Hunger bekam, stibitzte er sich am Hotelkiosk eine Tüte Chips. Was Leistungssportler halt so essen.

Nachts um halb drei verließ die Chartermaschine den Flughafen von Chisinau, morgens um sechs landete sie in Schönefeld. Zwei Wochen später gewann Hertha das Rückspiel 2:0. Alex Alves war noch für viele Skandälchen gut, bis er Berlin vor fünf Jahren verließ. Josip Simunic musste drei Monate auf seinen nächsten Einsatz warten, er fing sich und ist heute einer der stärksten Innenverteidiger Europas. Aber Chisinau muss es nicht noch einmal sein.

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