Sport : Uli Hoeneß: Zwischen Freude und Kommerz

Markus Hesselmann

Uli Hoeneß ist vorbereitet. "Ich hoffe ja fast schon, dass dieser Karren mal an die Wand fährt", sagt der Manager des FC Bayern München. Hoeneß, von vielen sonst selbst gern als Totengräber des Wahren, Schönen und Guten am Fußball geschmäht, ist in Wahrheit ein Prophet der kommerziellen Apokalypse. Zwischen dem 1:0-Sieg in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen und dem Rückspiel im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid nimmt er sich Zeit, über den Fußball zu philosophieren. Sein Thema sind die Grenzen des Kommerz, sein Forum ist die Evangelische Akademie Tutzing bei München, die am Wochenende eine Tagung zur "Zukunft des Fußballs zwischen Freude und Kommerz" veranstaltete.

"Ich hoffe seit zwei Jahrzehnten, dass diese Grenze endlich erreicht ist, doch es geht immer noch weiter", sagt Hoeneß. Als er 1979 als Manager beim FC Bayern begann, hatte der Verein einen Umsatz von zwölf Millionen Mark, der zu 80 Prozent aus Zuschauereinnahmen kam. Heute, rechnet Hoeneß vor, setzt das Unternehmen Bayern München 300 Millionen Mark um, und die Fans im Stadion tragen nur 18 Prozent dazu bei. Von seinen treuesten Fan ist der Verein längst nicht mehr abhängig, sondern von Sponsoren- und Fernseheinnahmen.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? "Doch wir sind gar nicht die Schlimmsten", sagt Hoeneß - verglichen mit dem was in Spanien und England passiert. "Wir sind nämlich schuldenfrei", anderswo werde der Wahnsinn auf Pump finanziert. Und es werden Summen bewegt, gegen die der Schwabe Hoeneß tatsächlich wie ein Krämer wirkt. 700 Millionen Mark Verluste hätten die italienischen Spitzenteams gemeinsam zu verantworten.

Ein derzeit erfolgsloser Verein wie der AC Parma habe ein doppelt so großes Personalbudget wie der Deutsche Meister Bayern München. In Italien drohe ohnehin der Kollaps. Bei den Fußballfernsehrechten seien dort zuletzt eine Milliarde Mark im Minus aufgelaufen. Geld, das von den Vereinen schon längst wieder ausgegeben wurde. Nach der Pleite des Vermarktes ISL (Hoeneß: "Ein Supergau") sei dies die nächste große Erschütterung des internationalen Fußballs.

Und was kommt nach dem Crash? Die Auferstehung des Fußballs. "Ich sehe eine neue Generation von Spielern, die nicht nur aufs Geld schielt." Dass ein junger Spieler wie Hanno Balitsch von Waldhof Mannheim eben nicht zu den reichen Bayern nach München sondern nach Köln wechselt, sei ein gutes Zeichen. "Der sagt, ich möchte jetzt nicht zuerst viel Kohle verdienen, sondern ich möchte spielen, spielen, spielen" sagt Hoeneß. "Zu uns kann er dann später immer noch kommen."

Um den deutschen Fußball ist dem Münchner Manager ohnehin nicht bange: "Ich wette jeden Betrag, dass Deutschland 2006 Weltmeister wird."

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