Sport : Umrüsten für die Ehrengäste

Die Organisatoren der WM 2006 räumen Mehrkosten beim Stadionbau ein

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Berlin Als Hans-Wolf Zopfy zum ersten Mal im neuen Pflichtenheft des Fußball-Weltverbandes Fifa blätterte, wusste er: „Jetzt wird unser Stadion teurer.“ Inzwischen hat der Projektleiter des Berliner Olympiastadions die Mehrkosten, die durch Fifa-Wünsche entstehen, errechnet und der Stadt vorgelegt. Seit Wochen wird ums Geld verhandelt – um einen zweistelligen Millionenbetrag, wie es bei der Stadiongesellschaft heißt. „Allein die zusätzlichen Presseplätze kosten zwei Millionen mehr, ein neues Pressezentrum auf dem Maifeld drei Millionen“, rechnet Zopfy vor. Hinzu kommen der Bau eines elektronischen Ticketsystems mit modernster Technik, Sponsorendörfer am Rande der Arena und eine doppelte Stromversorgung. Zopfy sagt: „Als wir im Jahr 2000 mit dem Bau anfingen, wussten wir von diesen Ausmaßen nichts.“

So wie Zopfy geht es vielen Stadionerbauern und Städten. Zwei Jahre vor Anpfiff der Fußball-WM 2006 entdecken sie Mehrkosten wegen der Fifa-Extras – nach Recherchen des Tagesspiegel belaufen sie sich auf gut 50 Millionen Euro. Das WM-Organisationskomitee (OK) hat inzwischen Verteuerungen eingeräumt, die Größenordnungen aber bestritten. OK- Vize Wolfgang Niersbach sagt auf Nachfrage: „Man kann derzeit keine Zahlen nennen, denn wir befinden uns noch im Prozess der Veränderung.“ So werde bei regelmäßigen Kontrollbesuchen von OK und Fifa in den Stadien festgelegt, welche Flächen mit Pressezentren und Sponsorenzelten zu belegen sind und wie die Pressetribünen genau auszusehen haben. „Wie sich das auf die Kosten auswirkt, kann das OK noch nicht sagen“, meint Niersbach. Mit dem neuen Pflichtenheft, das den Städten vor gut zwei Jahren zugestellt worden sei, hätte der Mehrbedarf „nur bedingt“ zu tun.

Viele Städte und Stadionerbauer sehen das anders. Sie haben ihre Kalkulationen auf Grundlage des alten Pflichtenheftes von 1998 gemacht, manche Stadien wie Hamburgs AOL-Arena waren beim Eintreffen des neuen Katalogs bereits fertig. „Nun sind wir mit vielfältigen Forderungen konfrontiert“, sagt Andreas Koeppen vom Hamburger Sportamt. In seiner Verwaltung und beim Stadionbetreiber werden die Zusatzkosten auf fünf Millionen Euro taxiert, beide verhandeln über die Aufteilung. Ähnlich sieht es in Leipzig aus: Im Zentralstadion entstehen zusätzliche Vip-Logen und ein neuer Bereich für Ehrengäste. „Grundlage für die Umbauten ist das neue Pflichtenheft“, sagt Hans Wolff, Projektleiter des Stadions. Von Insidern in Leipzig werden die Kosten der Fifa-Extras mit zehn Millionen Euro beziffert. Stadt und Besitzgesellschaft streiten nun ums Geld. „Vielleicht waren einige Kommunen bei ihrer Planung etwas naiv“, sagt Gerd Voß, Sprecher der privat finanzierten Schalker Arena, der nicht mit Mehrkosten rechnet. Anders als Städte wie Frankfurt am Main und Kaiserslautern, die am Stadionbau beteiligt sind.

In der Politik stoßen die Ansprüche, die jetzt auf den Steuerzahler zukommen können, auf Kritik. „Unsere Sorge ist, dass die sowieso klammen Kommunen weiter belastet werden“, sagt CDU-Sportexperte Klaus Riegert. Sein Grünen-Kollege Winfried Hermann mahnt, die Fifa solle es mit ihren Anforderungen nicht übertreiben: „Man kann eine WM auch ohne absoluten Superstandard veranstalten.“

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