Sport : Und am Ende leidet der HSV

Die Hamburger sind in Stuttgart die bessere Mannschaft, verlieren aber 0:2

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Als Herbert Fandel zur zweiten Hälfte einfach nicht aufzutauchen schien, spielte die Stadionregie im Gottlieb- Daimler-Stadion erst einmal für zwei, drei Minuten unterhaltende Musik. Von den Rängen klang leichtes Gelächter auf die Wettkampffläche herunter, während beide Mannschaften auf dem Rasen warteten. Dass die Verspätung des Schiedsrichters solch umfassende Heiterkeit auslöste, zeigt wie bescheiden das Spiel vor 37000 Besuchern bis dahin gewesen war. Stuttgart gegen Hamburg blieb ein Spiel auf schwachem Niveau, und es endete nach weitgehend gähnender Langeweile und vielen Fehlpässen mit einem am Ende sicheren Stuttgarter 2:0-Sieg, den Mario Gomez mit seinem siebten Saisontor einleitete und den Thomas Hitzlsperger mit dem 2:0 (85.) mit einem Gewaltschuss sicherstellte.

„Zurzeit läuft wirklich alles, aber auch alles gegen uns“, sagte Hamburgs Trainer Thomas Doll. Die Lage wird immer brenzliger. Der HSV, der in dieser Saison erst einmal gewinnen konnte, bezog in Stuttgart seine vierte Niederlage. Schon vor der Partie hatten viele Fotografen vor Doll Posten bezogen. Es könnte angesichts der prekären Lage an der Elbe ja sein letztes Spiel auf der HSV-Bank gewesen sein. Doll bleibt nach der Niederlage von Stuttgart nur der Ausweg über schnelle Siege. Bereits eine Niederlage am kommenden Wochenende im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach könnte das Ende seiner Amtszeit einleiten.

Laut „Bild“-Zeitung wird bereits Christoph Daum als möglicher Nachfolger gehandelt. Daum aber ist derzeit ein variabel einsetzbarer Kandidat für die halbe Liga. Aus Hamburg heißt es, bei weiteren Misserfolgen werde Thomas Doll von selbst aufgeben und dann trotzdem Abfindungszahlungen erhalten, die sonst nur für den Fall einer Entlassung vorgesehen wären. So weit ist es noch nicht. Gestern Abend sagte der glücklose Trainer: „Ich werde den Weg weitergehen.“

Vom zuletzt bundesweit gefeierten berauschenden Spiel der Schwaben war nicht nur in der ersten Hälfte wenig zu sehen. Die Hamburger machten durch frühes Stören im Mittelfeld die Räume eng, und bei den Stuttgartern fehlten zunächst Mut und Spritzigkeit. Die schwäbischen Gipfelstürmer um Antonio da Silva und Sami Khedira konnten nie Akzente im Spielzentrum setzen. Eine halbe Stunde lang hatte der VfB keine Torchance. Lediglich ein halbherzig in Richtung HSV-Tor bugsierter Kopfball von Marco Streller wurde verzeichnet. Die Bilanz der vorsichtigen Hamburger fiel nicht besser aus. David Jarolims Schuss flog weit übers Tor und ein Tor von Daniel Ljuboja wurde wegen einer Abseitsstellung nicht anerkannt. Zudem hätte Fandel einen Handelfmeter pfeifen können. Serdar Tasci stoppte eine HSV-Flanke mit seinem ausgestreckten linken Arm. Was der HSV, bei dem Kapitän Rafael van der Vaart auffiel, für sich verbuchen konnte, war lange die überwiegende Zahl gewonnener Zweikämpfe. In der 61. Minute vergab Piotr Trochowski die beste HSV-Chance mit einem Flachschuss. „Wir haben gut gespielt, aber wieder nicht gewonnen“, sagte Kapitän Rafael van der Vaart. „Das ist die Geschichte dieser Saison.“ Es ist inzwischen eine ziemlich traurige.

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