Sport : Und der Haifisch, der hat Kiemen

Ferrari setzt in Barcelona nach langem Warten endlich den F2003 GA ein und behauptet, die Konkurrenz habe keine Chance mehr

Karin Sturm

Barcelona. Die Kiemen, selbstverständlich fallen als erstes die Kiemen auf. Es sind natürlich keine echten Kiemen, der neue Ferrari 2003 GA ist ja kein Fisch, aber die Luftauslässe an der Oberseite der Seitenkästen sehen aus wie Kiemen. „Haifisch“ taufte „Bild“ das neue Auto, das suggeriert Aggressivität und Angriffslust, und genau diese Begriffe sollen mit dem neuen F2003 GA auch verbunden werden. GA ist im Übrigen die Abkürzung für Gianni Agnelli, den kürzlich verstorbenen Fiat-Chef. Ferrari hat einiges aufzuholen in dieser Saison, trotz des Sieges von Michael Schumacher beim jüngsten Rennen in Imola. „Ein Sieg in Barcelona muss natürlich das Ziel sein“, sagt Michael Schumacher, der Weltmeister. „Dass das Auto deutlich schneller ist als das alte, wussten wir ja schon lange. Und jetzt sollte auch die Zuverlässigkeit stimmen. Ich bin sicher, dass wir schon in Spanien konkurrenzfähig sein werden.“ Im Qualifying zum Großen Preis von Spanien in der Formel 1 (Sonntag, 14 Uhr, live in Premiere und RTL) war Schumacher jedenfalls gleich der Schnellste, allerdings nur 19 Tausendstelsekunden vor Jarno Trulli im Renault, aber sieben Zehntelsekunden vor WM-Spitzenreiter Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes auf Platz acht.

Und? Wie fuhr sich der neue F2003 GA unter Rennbedingungen? Schumacher: „Das Auto fährt sich sehr schön, es ist einfach schneller, hat mehr Grip und liegt besser in den Kurven als der F2002. Aber man muss abwarten, wie sich alles entwickelt.“ Hoffentlich gut, sagen sie bei Ferrari. Schumacher hat einen Rückstand in der WM-Wertung auf Räikkönen, und so etwas sind sie seit längerem nicht gewohnt, die Italiener. Aber jetzt wird wohl alles gut. Zumindest sagen das alle, die das Auto kennen oder gefahren sind. Die Testfahrer Luca Badoer, Felipe Massa sowie Schumachers Teamkollege Rubens Barrichello schwärmen: „Das beste Formel-1-Auto, das wir je gefahren sind.“ Ferrari-Technikchef Ross Brawn geht sogar noch weiter. Er erklärt den F2003 GA zum „besten Formel-1-Auto, das es je gab“.

Noch ist unklar, ob das die üblichen Sprüche sind oder ob der F2003 GA wirklich so gut ist, wie sie nun behaupten. Bei Ferrari mussten sie auf jeden Fall erst mal lange warten, bis das vorgebliche Wunderwerk der Technik bei einem Rennen eingesetzt werden kann. Brawn: „Wir sind erleichtert, dass wir die Probleme hinter uns haben, die einen Start in Imola noch verhinderten. Die letzten Tests verliefen überaus erfolgreich. Der F2002 war ganz sicher ein großartiges Auto, aber er war doch am Ende seiner Entwicklungsmöglichkeiten angekommen. Mit dem neuen haben wir schon jetzt einen Sprung nach vorne gemacht. Und wir haben in dieser Saison noch weitere Verbesserungen in der Hinterhand.“

Die Pluspukte des F2003 GA: ein neuer, deutlich leichterer und flacherer Motor, der einen tieferen Schwerpunkt erlaubt, dazu eine schlanke Heckform, eine flache, tief gezogene Motorverkleidung und ein Unterboden, der noch mehr Haftung als sonst erlaubt. Nur, um wieviel der F2003 GA wirklich besser ist als die High-Tech-Autos der Konkurrenz, wird sich erst am Sonntag zeigen. Die Strecke mit ihren schnellen Kurven und oft wechselnden Bedingungen gilt als sehr selektiv. „Wenn ein Auto dort gut ist, dann ist es normalerweise auf allen Strecken gut“, sagen Techniker.

Aber die Techniker müssen sich jetzt wieder auf Änderungen einrichten. Denn der Weltverband Fia erlaubt jetzt doch entgegen früherer Pläne die Traktionskontrolle. Ursprünglich war vorgesehen, diese Art der elektronischen Fahrhilfe von 2004 an zu verbieten. Außerdem wurde die viel kritisierte Regenreifen-Regelung für diese Saison modifiziert. Die Hersteller wurden aufgefordert, zusätzlich Reifen „für starken Regen zur Verfügung zu stellen“. Ob das kurzfristig Ferrari hilft, muss sich allerdings erst zeigen.

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