Sport : Und es wird wohl nicht besser

Die deutschen Biathleten enttäuschen bei der WM.

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Nase voll. Peiffer (l.) und Birnbacher warten auf ein Erfolgserlebnis. Foto: dpa
Nase voll. Peiffer (l.) und Birnbacher warten auf ein Erfolgserlebnis. Foto: dpaFoto: dpa

Nove Mesto - Zur WM-Halbzeit in Tschechien musste Miriam Gössner einen Dank loswerden an die aus ihrer Warte weitsichtigen Planer der Titelkämpfe. „Die beiden Ruhetage werden uns gut tun“, hofft die blonde Oberbayerin zumindest – bei null Medaillen für die deutschen Biathleten und vielen offenen Fragen nach den ersten fünf Entscheidungen. Am Montagvormittag erörterten die Biathleten im Teamquartier Lisensky Dvur in dem Dörfchen Snezne ihre vielschichtigen Probleme noch einmal offiziell, dann begann das inoffizielle Daumendrücken für die zweite Hälfte der Weltmeisterschaft.

Ohne eine einzige Medaille sind die deutschen Athleten mit Ski und Gewehr nach dem ersten WM-Wochenende zuletzt vor 16 Jahren geblieben. Und die Aussichten, dass sich daran noch etwas Grundsätzliches ändert, sind mäßig. Vor allem bei den vor der Saison und auch nach den ersten Rennen noch so hoch gelobten Männern des Deutschen Skiverbandes (DSV). Dafür hinken alle Teammitglieder der Weltspitze und vor allem den beiden Überfliegern Emil Hegle Svendsen und Martin Fourcade gerade viel zu weit hinterher.

„Die halbe Minute, die uns im Moment abgeht, werden wir nicht von heute auf morgen kompensieren können“, sagt Männer-Trainer Mark Kirchner. Den Glauben an Medaillen – und seien es auch nur bronzene – hat er also im Grunde schon aufgegeben. Zumal seine vermeintlich bester Athlet, der 31-jährige Andreas Birnbacher, bis dato am heftigsten um seine Form ringt.

„Am Anfang der Saison dachte ich, ich sei nicht so gut, und dann lief es. Jetzt ist es genau umgekehrt – es ist wie verhext“, sagt der Vorjahresdritte im Gesamtweltcup. Birnbacher spricht von prinzipiellen Motivationsproblemen: „Auf der Strecke aggressiv und konzentriert zu sein fällt mir momentan schwer, das muss ich ehrlich zugeben.“ Auch Arnd Peiffer, 2011 immerhin noch Sprintweltmeister und nach den letzten beiden Wintern jeweils Vierter in der Gesamtwertung, wirkt in diesen Tagen matt und ratlos.

Etwas besser ist die Lage bei den Frauen, zumindest phasenweise. Andrea Henkel und Miriam Gössner vollführen in Nove Mesto seit dem ersten Tag konsequent ihre Achterbahnfahrten. In der gemischten Staffel zum WM-Start scheiterten beide an ihrem eigenen Sicherheitsdenken oder an aufkommender Nervosität. Im Sprint am Samstag war Gössner stark und Henkel unerklärlich schwach – in der Verfolgung am Tag darauf tauschten die beiden Skijägerinnen dann ihre Rollen.

So machte die 35 Jahre alte Henkel, die ihrer ersten Einzelmedaille seit der WM 2008 in Östersund weiter hinterher hechelt, im Jagdrennen 44 Sekunden auf die Spitze gut. Weil sie ihre 20 Schüsse plötzlich traumhaft sicher und fehlerfrei absolvierte und letztlich die beste Verfolgungszeit im gesamten 60er-Feld hinlegte. „Ich hab mir gesagt: Jetzt reiß dich mal zusammen und mach das, was du kannst!“, berichtete die Oberhoferin, ehe sie die obligatorische Durchhalteparole formulierte: „Wir stecken den Kopf jetzt nicht in den Sand. Vielleicht wird ja die zweite Woche unsere Woche.“

Die optimistische Vorgabe des Verbandes – fünf bis sechs Medaillen – wird jedoch kaum noch zu erfüllen sein. Das ahnt auch Thomas Pfüller, der seine Rückendeckung für die Verantwortlichen gerade auf historischen Boden betten muss. „Es sind sicher Fehler gemacht worden, aber die Trainer haben unser vollstes Vertrauen“, sagt der Sportdirektor des DSV und erklärt: „Sie holen seit 15 Jahren die Kastanien aus dem Feuer – da kann man nicht nach drei WM-Tagen Zweifel haben.“ Andreas Morbach

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