Sport : Und jetzt kommt Dortmund

Nach dem 0:5 in Stuttgart wachsen bei Hertha BSC auch die Zweifel an Trainer Michael Skibbe.

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Gegen die Regel. Obwohl Vedad Ibisevic Herthas Torhüter Thomas Kraft fast ins Gesicht springt, zählt das Tor für den VfB. Foto: dapd
Gegen die Regel. Obwohl Vedad Ibisevic Herthas Torhüter Thomas Kraft fast ins Gesicht springt, zählt das Tor für den VfB. Foto:...Foto: dapd

Michael Preetz wollte in diesem Moment kein „Ja“ über die Lippen kommen. Ob Michael Skibbe am kommenden Wochenende im Heimspiel gegen Borussia Dortmund noch als Trainer bei Hertha BSC auf der Bank sitzen werde, wurde er gefragt. Preetz hielt die Frage wohl für überflüssig oder zum falschen Zeitpunkt gestellt. Er schüttelte jedenfalls den Kopf und sagte: „Lustig, was willst du hören?“ Danach ging Herthas Manager zum Mannschaftsbus, in dem schon der Trainer saß, der mit seiner Mannschaft beim VfB Stuttgart gerade 0:5 (0:4) untergegangen war.

„Wir sind alle niedergeschlagen, Trainer Mannschaft, Fans – alle“, hatte Preetz zuvor nach Skibbes fünfter Niederlage im fünften Pflichtspiel gesagt. „Das war eine unglaublich schlechte erste Halbzeit, die wir aufarbeiten müssen.“ Dass der Trainer gehen muss, erscheint trotzdem unwahrscheinlich. Nach dem kommenden Heimspiel gegen Dortmund muss Hertha zum FC Augsburg, einem Verein, der jetzt zum Konkurrenten im Abstiegskampf geworden ist.

In Stuttgart kassierten die Berliner nicht nur eine vernichtende Niederlage, sie verloren nach einer halben Stunde auch Andreas Ottl (siehe Text unten), der nach einem Frustfoul gegen Tamas Hajnal die Rote Karte sah. Nicht nur Ottls Aktion offenbarte Disziplinprobleme bei den Herthanern. „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht anpöbeln“, sagte Peter Niemeyer. „Wir müssen untereinander respektvoll bleiben.“ Auf dem Rasen hatte es nach den Gegentoren teilweise intensive Wortgefechte zwischen Berliner Spielern gegeben. „Wenn wir etwas Positives aus diesem Spiel ziehen können, dann, dass wir uns in der zweiten Hälfte nicht haben abschlachten lassen“, meinte Niemeyer, der den Auftritt der Mannschaft „grausam, unterirdisch, nicht bundesligareif“ fand. Die meisten seiner Kollegen marschierten wortlos zum Mannschaftsbus.

Michael Skibbe, der während der Partie meist reglos am Spielfeldrand gestanden und seine Hände in den Jackentaschen vergraben hatte, machte nach dem Schlusspfiff einen niedergeschlagenen Eindruck. Trotzdem sagte er: „Wir sind steigerungsfähig und werden auch wieder zu Torchancen kommen und Ergebnisse holen, um am Ende überm Strich zu stehen.“

Die Berliner erlebten wieder einmal die volle Härte des Existenzkampfes. Nach dem 0:1 zeigte die Mannschaft bedenkliche Zerfallserscheinungen, und diesem 0:1 war eine überaus strittige Szene vorausgegangen. Nach Hajnals Freistoß landete eine hohe Kopfballvorlage in Herthas Fünfmeterraum. Der Stuttgarter Vedad Ibisevic sprang hoch – Skibbe nannte es einen „Scherenschlag“ – und traf den Ball in Kopfhöhe nur Zentimeter vor den Händen von Herthas Torwart Thomas Kraft. Preetz und Skibbe protestierten vergeblich. Schiedsrichter Deniz Aytekin sah kein „gefährliches Spiel“, weil Kraft sich nicht zum Ball bewegt habe. Eine eher dürftige Argumentation.

Fortan stellte Hertha den Dienst fast komplett ein. Innerhalb einer weiteren Viertelstunde lag Hertha 0:4 zurück und war mit einem Mann in Unterzahl. Zuerst leitete Ottl mit einem Ballverlust im Mittelfeld das 0:2 ein. Martin Harnik spazierte fast mühelos durch Herthas Mitte und schob den Ball ins Tor. Nach Ottls Platzverweis erzielte der nur 1,74 Meter große Japaner Shinji Okazaki per Kopf das 3:0 durch einen Kopfball, und noch vor der Pause gelang Harnik sein zweites Tor zum 4:0-Pausenstand.

In der zweiten Hälfte versuchten die Berliner, den Schaden einigermaßen in Grenzen zu halten. Obwohl die Stuttgarter noch einige Chancen hatten, trafen sie nur noch einmal. Das 0:5 war eine Koproduktion von Harnik und Herthas Linksverteidiger Lewan Kobiaschwili, die den Ball gemeinsam über die Linie drückten.

„Wir müssen uns nun aufrichten, damit wir nach der Klatsche gegen Borussia Dortmund konkurrenzfähig sind“, sagte Skibbe. Das Duell mit dem Meister wird Herthas 1000. Bundesligaspiel sein – und für Skibbe vielleicht schon das letzte in Berlin.

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