Sport : Und raus bist du

Kühnhackl und Kennedy sind die jüngsten Opfer nervöser Eishockey-Manager

Katrin Schulze

Berlin - Erich Kühnhackl hatte Angst. Nur mit vier Leibwächtern traute sich der ehemalige deutsche Eishockey-Weltklassespieler am vergangenen Freitag vor die Straubinger Eishalle. Mehrere Anhänger seines Klubs hatten den Trainer der Straubing Tigers nach der 1:4-Niederlage in der Deutschen Eishockey-Liga gegen den Tabellenletzten Füchse Duisburg auf dem Weg zur Kabine unflätig beschimpft. Bereits beim Spiel hatten die Fans mit dem Schlachtruf „Stillstand ist Rückschritt, Fortschritt ist Rücktritt“ eine klare Botschaft verkündet. Die Klubverantwortlichen hatten genau zugehört: Kühnhackl musste nach dem Spiel gehen, nach gut einjähriger Amtszeit. „Es gab den Eindruck, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht“, sagte Straubings Geschäftsführer Jürgen Pfundtner.

Den gleichen Eindruck hatten am Wochenende auch die Verantwortlichen des ERC Ingolstadt, allerdings bei ihrem Trainer Ron Kennedy. Dass die Funktionäre ausgerechnet nach einem 3:1-Sieg über Iserlohn das Gefühl überkam, Kennedy sei der falsche Mann, ist allerdings kurios. Egal, Kennedy musste gehen, und Manager Stefan Wagner gleich mit. Der hatte den gesundheitlich angeschlagenen Kennedy als Trainer durchgesetzt.

Das passt alles ins Bild. Langfristig planen dürfen Trainer in der Deutschen Eishockey-Liga nur selten. Schon vier Trainer wurden in dieser Saison entlassen. Auch Slavomir Lener (Düsseldorfer EG) und Dieter Hegen (Füchse Duisburg) mussten frühzeitig gehen. So ist der Kanadier Rich Chernomaz derzeit der dienstälteste Trainer der DEL – seit viereinhalb Jahren betreut er die Frankfurt Lions. Chernomaz beschreibt seinen Job als permanenten Kampf. Wer nachlasse, könne schnell verlieren – erst bei den Spielern, dann beim Management.

Den Verantwortlichen fehlt schlicht Geduld. Kühnhackl sollte die Straubing Tigers, die 2006 aufgestiegen waren, langfristig zu einer Spitzenmannschaft formen und die vernachlässigte Nachwuchsarbeit im Klub fördern. Die Zeit dafür gab man dem 57-Jährigen aber nicht. „Die Erwartungshaltungen waren nach dem Aufstieg zu groß“, sagt er jetzt.

Und deutsche Trainer stehen noch stärker unter Druck als ihre ausländischen Kollegen. Derzeit gibt es ohnehin nur vier Trainer mit deutschem Pass in der DEL. „Die haben keine Lobby“, sagt der frühere Nationalspieler Uli Egen. „Die Liga ist eben immer noch von Ausländern bestimmt.“ Bevor er als Sportdirektor und Kotrainer in Duisburg entlassen wurde, hatte er die Eisbären Berlin trainiert und wurde dort durch den Kanadier Pierre Pagé ersetzt. Mittlerweile arbeitet Egen in der holländischen Provinz, weil er in Deutschland keine Job mehr fand. „Das Management hat oft kein Rückgrat“, sagt Egen. „Der Coach ist eben das schwächste Glied.“

Kühnhackls Rauswurf hatte zudem noch eine pikante Note: Trainer der Füchse Duisburg, gegen die Straubing verloren hat, ist Peter Draisaitl. So gesehen hat der Vorgänger den Nachfolger gekippt. Vor Kühnhackl hatte nämlich Draisaitl die Straubing Tigers trainiert.

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