Sport : Und vorne hilft Makaay

Was die Bayern heute gegen Chelsea tun müssen, um das 2:4 aus dem Hinspiel noch wettzumachen

Daniel Pontzen[München]

Der verbalen Kriegsführung fehlte es nicht an Fantasie. Während Chelseas Kapitän John Terry sein bayerisches Gegenüber Michael Ballack mit der Wortneuschöpfung „serial diver“ (zu deutsch etwa: regelmäßiger Schwalbenproduzent) bedachte, feuerte sein Trainer José Mourinho in bizarren Vergleichen sogar gegen Bayerns Ex-Trainer Ottmar Hitzfeld. Die zentrale Frage jedoch ging im Radikal-Ballyhoo ein wenig unter: Wie kann es der FC Bayern schaffen, gegen den als derzeit stärkste Mannschaft Europas gehandelten FC Chelsea das 2:4 aus dem Hinspiel aufzuholen, um doch noch ins Halbfinale der Champions League einzuziehen? Bayerns Trainer Felix Magath stellte am Tag vor dem Showdown Optimismus zur Schau. „Im Hinspiel, wo wir einen schlechten Tag hatten, haben wir zwei Tore gemacht“, referierte er, und da man diesmal einen besseren Tag erwischen werde, „sollte das genügen, um morgen gegen Chelsea weiterzukommen“. Genauere Angaben dazu, wie die gegnerische Defensive zu knacken sei, gab er nicht preis.

Trotz der zwei erzielten Tore an der Stamford Bridge gelang es den Münchnern im Hinspiel nicht, sich eine Torchance herauszuspielen. Entsprechend knifflig ist es, Schwachstellen bei Chelsea zu finden. Im Hinspiel bildete Glen Johnson die einzige. Auf der rechten Position der Vierer-Abwehrkette verlor er phasenweise die Orientierung. Darüber hinaus wird es schwierig, Sollbruchstellen im Spiel des Gegners zu entdecken. Speziell die Verbindung Lampard/Makelele im Zentrum vor der Abwehr hat sich als exzellentes Zerstörungselement erwiesen. Frank Lampard, von dem sein Trainer José Mourinho zu sagen pflegt, er sei „der kompletteste Spieler der Welt“, bringt zudem Impulse nach vorne; gradlinig, uneitel. Bisweilen, wie im Hinspiel, schießt er auch Tore.

Im Hinspiel bevorzugte Magath ein zuvor noch nie eingesetztes Fünfer-Mittelfeld mit zwei Defensivakteuren (Frings und Hargreaves), zwei offensiveren Flügelspielern (Salihamidzic und Zé Roberto) sowie Michael Ballack davor. Insbesondere die verhinderte bosnisch-brasilianische Zange erwies sich als misslungenes Experiment, weshalb morgen möglicherweise Bastian Schweinsteiger, Torschütze des Hinspiels, auflaufen wird, um mit seinen Dribblings Chelseas Verteidigung zu verblüffen. Der einzig begründete Optimismus verbindet sich mit Personalien: Sicher ins Team zurückkehren werden der im Hinspiel gesperrte Martin Demichelis sowie das genesene Sturmduo Makaay/Pizarro. Während der Argentinier neue Stabilität garantieren soll, hoffen die Münchner, dass Makaay seine Serie ausbaut: Er erzielte in dieser Champions League sieben Tore.

Es gibt weitere statistische Fußnoten, die Münchens Hoffnung nähren. Bei seinen neun internationalen Auftritten dieser Saison hat Chelsea neun Tore kassiert – fast genauso viele wie in 32 Ligaspielen. Bayerns Kapitän Oliver Kahn geht davon aus, dass sich die Zahl am Dienstagabend erhöht. Und wie? „Soll ich das jetzt sagen? Dann wäre ich blöd.“ Seine Antwort war exemplarisch für die Aussagen der Münchner. Man konnte nicht erkennen, ob sie tatsächlich eine konkrete Ahnung haben, wie dem Gegner beizukommen ist. Oder ob es nichts anderes ist als ein halbwegs guter Bluff.

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