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Unentschieden gegen Schweden : Wahn und Witz in der deutschen Nationalelf

18.10.2012 12:31 Uhrvon
System ohne Mitte. Nach einem solchen Spiel ist da erst mal nur Leere. Das haben die Bayern in der DFB-Elf in diesem Jahr schon öfter erlebt.Bild vergrößern
System ohne Mitte. Nach einem solchen Spiel ist da erst mal nur Leere. Das haben die Bayern in der DFB-Elf in diesem Jahr schon öfter erlebt. - Foto: dapd

Sie sind hoch talentiert, schießen wunderbare Tore und kombinieren sich in einen Rausch. Aber wenn sie auf Widerstand stoßen, finden die deutschen Nationalspieler keine passende Antwort. So lautet das Urteil über diese goldene Generation. Beim 4:4 von Berlin wurde es bestätigt. Über ein Remis, das mehr ist als ein verschenkter Sieg.

Mesut Özil besaß ein feines Gespür für die Bedeutung des Moments. Er und seine Mitspieler hatten zum Mittelkreis trotten müssen für einen Wiederanstoß, ein Gegentor war gefallen, ein weiteres. Özil wurde angespielt, er holte mit dem Fuß aus, weiter als eigentlich notwendig, und dann drosch er den Ball zurück in die eigene Abwehr. Herr Özil war wütend. Und sein Fuß sagte es den anderen. Zwei Gegentore in zwei Minuten. Zwei Gegenangriffe hatten die Schweden benötigt, um aus einem für sie aussichtslosen 4:0-Rückstand ein Ärgernis zu machen. Im Nachhinein war das vermutlich der Augenblick, in dem das WM- Qualifikationsspiel der deutschen Fußball- Nationalmannschaft gegen Schweden eine Wende nahm, die zwei Minuten zuvor noch undenkbar schien.

Aber die Deutschen spürten die Gefahr immer noch nicht. Der von Özil etwas härter getretene Ball war so etwas wie das letzte Aufbäumen an diesem Abend, ihr letzter deutlich sichtbarer Gefühlsausbruch in diesem Spiel. Fortan ließ die Mannschaft den Untergang einfach über sich ergehen.

Großen Eifer zeigten die Nationalspieler erst wieder, als es zu spät war. Sie sprinteten von der Mittellinie zur Torlinie und gleich wieder zurück. Sie hielten das Tempo hoch und ließen nie nach. Aber da hatte sich das Olympiastadion schon weitgehend geleert. Lukas Podolski und André Schürrle spurteten unter der Anleitung eines Fitnesstrainers hin und her und her und hin. Es hatte die Anmutung eines Straftrainings, aber dafür hatten die beiden Nationalspieler definitiv zu wenig zu der Blamage von Berlin beigetragen. Der eine, Schürrle, hatte beim 4:4 gegen die Schweden gar nicht gespielt, der andere, Podolski, gerade mal fünf Minuten. Und überhaupt: Waren die Deutschen nicht schon gestraft genug?

Seit 1908 bestreitet die Fußball-Nationalmannschaft offizielle Länderspiele. Sie hat große Siege gefeiert, Titel gewonnen und auch ein paar bittere Niederlagen erlitten so wie vor elf Jahren beim 1:5 gegen England. Das Spiel hatte den deutschen Fußball damals in eine tiefe Sinnkrise gestürzt. Von seiner Wirkung her ist das Debakel gegen England mit der 4:4-Niederlage von Berlin durchaus vergleichbar. In ihrem 868. Länderspiel verspielte die Nationalmannschaft zum ersten Mal einen Viertorevorsprung – vor eigenem Publikum und gegen Schweden, einen Gegner, der zwar über eine gewisse physische Wucht verfügt, seit Jahrzehnten aber schon nicht mehr durch große Fußballkunst aufgefallen ist.

Anders als die neuen Deutschen. Eine Stunde lang verzückten sie das Publikum, sie spielten schön wie nie, und als Mesut Özil kurz nach der Pause das 4:0 erzielte, bahnte sich ein großes Fest an. Was die 73 000 Fans im Olympiastadion und 13 Millionen Fernsehzuschauer in der Folge erlebten, besaß eine historische Dimension: 1:4, 2:4, 3:4, 4:4 in 30 Minuten. „Fußball ist ein lustiger Sport“, sagte Schwedens Trainer Erik Hamrén.

Witz und Wahn lagen an diesem Abend nah beieinander. Als die deutschen Spieler eine gute Stunde nach dem Abpfiff aus dem Stadion strebten, machten sie einen eher verstörten als niedergeschlagenen Eindruck. Einige sagten gar nichts, ein paar wenige stellten sich den Fragen der Journalisten, Thomas Müller, der eigentlich immer gut gelaunte Münchner, rief nur: „Was soll man dazu sagen?“ Besser konnte man die allgemeine Stimmung eigentlich nicht wiedergeben.

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