Sport : Unerlaubter Gedanke

Alba will verhindern, dass die Saison heute Abend endet

Benedikt Voigt

Berlin. Bei Teoman Öztürk sprießen zurzeit viele Haare im Gesicht. Der Center von Alba Berlin lässt sich einen Play-off-Bart wachsen, was bedeutet: Der Gesichtsschmuck muss so lange dran bleiben, wie die Play-offs für seinen Basketballklub dauern. Teambetreuer Eike Marx macht ebenfalls mit. „Mithat Demirel will sich sogar einen Schnauzer wachsen lassen“, sagt Teoman Öztürk. Ob das als Witz oder ernst gemeint ist, wird sich womöglich gar nicht überprüfen lassen. Denn es könnte passieren, dass sich die Berliner Spieler und Betreuer ihre Bärte bereits heute Abend abrasieren müssen.

Heute kommt es in der Max-Schmeling-Halle (19.30 Uhr) zum entscheidenden fünften Spiel zwischen Alba Berlin und den Opel Skyliners aus Frankfurt. „Wir kämpfen um unser Leben“, sagt Trainer Emir Mutapcic. Verliert Alba, ist die Saison für den Deutschen Meister der Jahre 1997, 1998, 1999, 2000, 2001 und 2002 beendet. Das letzte Mal, als Alba im Viertelfinale scheiterte, liegt lange zurück: In der Saison 1993/94 gegen Ludwigsburg. Doch nach der zweiten Niederlage am Dienstag in dieser Play-off-Serie gegen Frankfurt (74:87) ist alles möglich. „Jetzt noch die Frankfurter zu vernachlässigen, wäre töricht“, sagt Albas Geschäftsführer Robert Meyer.

Alba baut auf den Heimvorteil. „Dafür haben wir während der Saison gekämpft“, sagt Trainer Mutapcic. Bislang gewannen die Berliner in der Serie jeweils zweimal in der Max-Schmeling-Halle (94:74, 82:76) und verloren die Auswärtsspiele (69:71, 74:87). In der Hauptrunde war es ebenso. Seit 30 Play-off-Spielen hat Alba nicht mehr zu Hause verloren. Die letzte Niederlage liegt sechs Jahre zurück. Damals, vierten Finalspiel, verdarb der Bonner Eric Taylor den Berlinern mit einem Treffer in der letzten Sekunde die vorzeitige Meisterschaftsfeier.

Dass die Saison heute Abend beendet sein könnte, will Manager Carsten Kerner nicht glauben. „Frankfurt ist eine Mannschaft, die wir schlagen können“, sagt der Manager. „Wir haben viele Vorteile auf unserer Seite.“ Allerdings hat er auch geglaubt, dass sein Team in Frankfurt gewinnen werde. „Das hätten wir auch, wenn uns das zweite Viertel nicht dazwischen gekommen wäre.“

Das zweite Viertel. 12:35 hatten die Berliner diesen Abschnitt verloren. „Einige Entscheidungen der Schiedsrichter haben uns nicht gefallen“, sagt Mutapcic, „das hat uns aus dem Konzept gebracht.“ So kassierte Quadre Lollis in 4:22 Minuten Spielzeit vier Fouls. Insgesamt bekam Alba 28 Fouls gepfiffen, Frankfurt nur 19. Dennoch wollte Mutapcic den Schiedsrichtern nicht die Schuld an der Niederlage geben. „Wir müssen als erstes unsere Schuld sehen“, sagte der Trainer. So verbuchte sein Team eine schwache Dreierquote von 18 Prozent und eine schwache Freiwurfquote von 56 Prozent. Und ganz schwach blieb Aufbauspieler DeJuan Collins. In 32 Minuten Spielzeit erzielte der US-Amerikaner lediglich drei Punkte.

So kommt es, dass Alba Berlin (Platz zwei nach der Hauptrunde) gegen Frankfurt (Platz sieben) in ein fünftes Spiel gehen muss. Ebenso erging es den Telekom Baskets Bonn (Platz eins), die gestern gegen Leverkusen (Platz acht), um den Einzug ins Halbfinale kämpften (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet). Mit Rhein Energie Cologne (Platz vier) hat sich gegen TSK Bamberg (Platz fünf) bereits ein Titelfavorit aus den Play-offs verabschiedet. So spannend war die Basketball-Bundesliga schon lange nicht mehr.

Das bekamen gestern auch die Mitarbeiter der Alba-Hotline zu spüren. Ab zehn Uhr konnten dort Karten für das heutige Spiel geordert werden. „Das geht zack, zack, zack“sagt Geschäftsführer Robert Meyer und meint den Verkauf der Karten. 300 bis 500 Stück pro Stunde wurden gestern verkauft. Alba rechnet zwar nicht mit einer ausverkauften Halle, aber 6000 bis 7000 Zuschauer dürften es schon werden. So hat die Niederlage am Dienstag vielleicht sogar einen finanziellen Vorteil – wenn Alba heute nicht ausscheidet.

Albas Ticket-Hotline: 308 785 685.

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