Sport : Unglücklich – nicht unfair

Claus Vetter

erklärt, warum sich Armstrong nicht unsportlich verhalten hat Wieder dieser Armstrong. Sie mögen ihn nicht in Frankreich, weil er immer gewinnt. Und nun hat er einen lästigen Konkurrenten im Kampf um das Gelbe Trikot abgeschüttelt, als dem ein bedauerliches Missgeschick passierte. Iban Mayo war gestürzt und Lance Armstrong fuhr weiter. So schnell es ging. Als Mayo wieder auf dem Rad war, war von Armstrong nichts mehr zu sehen.

Armstrong hat fünfmal die Tour de France gewonnen, könnte sie dieses Jahr als erster Radprofi zum sechsten Mal gewinnen. Das ist ein Traum des Amerikaners, dem er vieles unterordnet. Auch sportliche Fairness mag mancher jetzt denken, schließlich hat Armstrong ja attackiert, nachdem Mayo gestürzt war. Hatte er kein Mitleid mit dem Basken, hat er nicht gegen die ungeschriebenen Gesetze der Tour verstoßen und das Mindestmaß an Anstand vermissen lassen?

Man kann das von außen so sehen, aber kein Fahrer der Tour wird es so betrachten. Es war kein einsames Duell in den Bergen zwischen Armstrong und Mayo, und auch das Beispiel vom wartenden Ullrich aus dem letzten Jahr, als Armstrong stürzte, zählt hier nicht: weil es nicht zu vergleichen ist. Oben in den Bergen, im Duell Mann gegen Mann, hätte der Amerikaner gewartet, da hätte man es auch erwarten dürfen. Auf der Flachetappe am Montag allerdings konnte Armstrong nicht anhalten, über 100 andere Profis wären ihm weggefahren, auch er hätte seinen Traum vom Sieg bei der Tour vielleicht begraben müssen.

Siege aber resultieren im Sport oft aus Missgeschicken des Verlierers. Aus dem Pech der anderen. Oder findet jemand im Fußball Erfolge durch Eigentore unmoralisch? Mayo hat auf der dritten Etappe Zeit verloren, Lance Armstrong hat Zeit gewonnen – mehr ist nicht passiert.

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