Union und die späten Gegentreffer : Wenn das Ende naht

Der 1. FC Union könnte den Aufstieg in die Bundesliga verpassen, weil die Mannschaft zu oft Tore in den letzten Minuten kassiert. So war es auch am Montagabend beim FC St. Pauli.

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Nur vorn brauchbar. Unions Simon Terodde verschuldete ein Gegentor.
Nur vorn brauchbar. Unions Simon Terodde verschuldete ein Gegentor.Foto: Matthias Koch

Fassungslos schaute Simon Terodde auf den Bildschirm. Der Angreifer des 1. FC Union konnte nach dem 1:2 beim FC St. Pauli kaum glauben, was er da sah. Sein Verhalten vor dem ersten Gegentor brachte ihn zum Kopfschütteln. „Das sieht grauenvoll aus. Ich bin nicht nah genug am Gegner und lasse ihn dann schießen. Das war mein Fehler“, sagte er. Uwe Neuhaus kritisierte Teroddes Verhalten ebenfalls. „Stürmer hin oder her, ich kann da nicht so einen Wendekreis haben“, sagte Unions Trainer. Die alleinige Schuld wollte er Terodde aber nicht zuweisen. „Marc Pfertzel muss den Ball schon vorher wegschlagen, dann ist die Situation bereinigt.“

Der Schuss von Sebastian Schachten, der nach Teroddes Führungstreffer zum schnellen Ausgleich für St. Pauli führte, war für viele Spieler und Neuhaus die entscheidende Situation des Spiels. „Ich glaube, dass wir den Vorsprung über zehn Minuten hätten halten müssen. Dann wären wir auch als Sieger vom Platz gegangen“, sagte Neuhaus. St. Paulis Trainer Roland Vrabec stimmte Neuhaus zu: „Ohne den schnellen Ausgleich wäre es für uns schwierig geworden, das Spiel zu drehen, weil wir dann Räume hätten herschenken müssen.“

Über das späte 2:1 von Fin Bartels wurde kaum gesprochen. Dabei zeigte es eine Schwäche des 1. FC Union in dieser Saison auf. Mehr als die Hälfte ihrer Gegentore, nämlich 15, haben die Berliner nach der 60. Minute kassiert. Späte Gegentreffer haben der Mannschaft bereits wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg zur Bundesliga gekostet. So geschehen beim 1:2 gegen Bochum, beim 1:2 gegen 1860 München und jetzt bei der Niederlage gegen St. Pauli.

Konditionelle Defizite seiner Spieler schließt Neuhaus aus

Auf die späten Gegentreffer angesprochen, wollte Neuhaus zunächst nichts sagen. Konditionelle Defizite seiner Spieler schloss er aber aus. „Ich glaube, dass wir körperlich richtig gut dabei sind. Da haben wir überhaupt keine Probleme.“ Benjamin Köhler stimmte seinem Trainer zu: „Wir sind körperlich absolut fit.“

Tatsächlich machten die Spieler des 1. FC Union in Hamburg keinen ausgelaugten Eindruck. Das Resultat hätte auch anders herum ausfallen können. Im Grunde sogar müssen. Mattuschka hatte bei seinem Lattentreffer kein Glück, Martin Dausch und Simon Terodde scheiterten mit ungenauen Versuchen.

Also alles nur Pech? So wollte es Neuhaus auch nicht bewerten. „Wir haben uns die Niederlage selbst zuzuschreiben, weil wir elementare Dinge falsch gemacht haben“, sagte Unions Trainer und meinte vor allem das Zweikampfverhalten vor den Gegentoren. Und die mangelnde Konzentration. In diesem Punkt nahm Neuhaus seine Spieler zumindest teilweise in Schutz. „Dass die Konzentration ab der 60. Minute nachlässt und die Räume größer werden, ist ja nun kein neues Phänomen. Das ist nicht nur bei uns so, sondern bei den anderen auch.“

Am Sonnabend empfängt Union den FC Ingolstadt

Die Statistik stimmt Neuhaus in diesem Punkt weitgehend zu. Unions Konkurrenten Paderborn, St. Pauli und Karlsruhe weisen bei den späten Gegentoren ähnliche Zahlen auf. Alle haben rund die Hälfte ihrer Gegentreffer nach der 60. Minute kassiert, wenn viele Spieler langsam körperlich ermüden.

Nur der 1. FC Köln und Greuther Fürth sind die Ausnahme. Beide Mannschaften können sich auf ihre Stärke im letzten Drittel verlassen. Köln kassierte in dieser Phase insgesamt fünf Gegentore, Fürth sogar nur vier. Köln führt die Tabelle der Zweiten Liga derzeit an, Fürth ist Zweiter.

Uwe Neuhaus wollte sich nach dem Spiel gegen St. Pauli lieber mit anderen Zahlen beschäftigen. Am Sonnabend empfängt Union den FC Ingolstadt: „Eine der besten Auswärtsmannschaften der Liga“, sagte Neuhaus. Das stimmt, nur Köln und St. Pauli sind in der Fremde erfolgreicher. „Eine Fleißaufgabe“, sagt Neuhaus. Von der ersten bis zur letzten Minute.

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