Union vor dem Spiel gegen Dresden : Risse in Köpenick

Der 1. FC Union steht nach dem Pokal-Aus gegen Offenbach unter Druck. Gegen Dresden sieht Neuhaus die Spieler in der Bringschuld. "So einen Auftritt dürfen wir uns nicht noch einmal leisten."

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Rostet seine Eiserne Liebe? Unions Trainer Uwe Neuhaus. Foto: dpa
Rostet seine Eiserne Liebe? Unions Trainer Uwe Neuhaus.Foto: dpa

Zu den Eigenheiten des Fußballs gehört, dass man etwas über Wochen mühsam aufbauen kann und dann nur wenig Zeit benötigt, um alles wieder zunichte zu machen. Diese Erfahrung mussten in der vergangenen Woche auch die Spieler des 1. FC Union machen. Nach einem Fehlstart hatten sie sich in der Zweiten Liga ins Mittelfeld der Tabelle gekämpft. Fünf Spiele in Folge waren sie dabei ungeschlagen geblieben, doch von der Euphorie der letzten Wochen ist nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil.

Vor dem Spiel am Sonntag bei Dynamo Dresden (13.30 Uhr) hat die heile Welt in Berlin-Köpenick Risse bekommen. Die Heimniederlage am vergangenen Sonntag gegen Paderborn war ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. Über das Ausscheiden im Pokal am Mittwoch bei Kickers Offenbach lässt sich das nicht mehr sagen. Die 0:2-Niederlage gegen den Drittligisten hat die Stimmung deutlich abkühlen lassen.

Nach dem Abpfiff schimpften viele der mitgereisten Anhänger, als sich die Spieler ihnen nährten. Eine lebhafte Diskussion entbrannte, die Fans konnten sich lange nicht beruhigen, weil ihre Mannschaft jeglichen Kampfgeist hatte vermissen lassen. „Die Fans haben uns in den Arsch getreten. Ich glaube, das war auch zu Recht“, sagte Mittelfeldspieler Markus Karl.

Ähnlich wütend wie der Anhang war auch Uwe Neuhaus. Unions Trainer neigt nach den Spielen nicht zu unkontrollierten Gefühlsausbrüchen, seine Emotionen hat er stets unter Kontrolle. Es war also mehr als eine leere Drohung, als Neuhaus am späten Mittwochabend ankündigte, seinen Umgang mit den Spielern in Zukunft ändern zu wollen. Konkret wurde er dabei nicht. Nur so viel: Zwei Tage nach dem Offenbach-Spiel antwortete Neuhaus auf die Frage, was er denn verändern wolle: „Das wird man in den kommenden Wochen sehen.“ Gut möglich, dass einige Spieler es in naher Zukunft schwer haben werden, auf Einsatzzeiten zu kommen.

Offenbach hat bei Neuhaus Spuren hinterlassen. Die Enttäuschung über die Art und Weise, wie sich die Spieler im Pokal präsentierten, haben ihn anscheinend zum Nachdenken gebracht. Nach dem Rückstand war kein Aufbäumen zu erkennen, kaum einer, der sich gegen die Niederlage stemmte. Neuhaus sah von der Seitenlinie, was Abwehrspieler Fabian Schönheim später einräumte. Schönheim sagte: „Insgesamt fehlt es der gesamten Mannschaft an Entschlossenheit.“

Für Neuhaus ist das völlig inakzeptabel. Bisher waren Trainer und Mannschaft eine verschworene Einheit gewesen. Neuhaus hatte sich in der Vergangenheit stets vor seine Spieler gestellt, kritisiert wurde ausschließlich intern. Die Spieler dankten es ihrem Trainer mit Hingabe. Wenn es spielerisch auch nicht lief, so wurde doch wenigstens gekämpft.

In Offenbach war davon nichts zu erkennen. Gegen Dresden sieht Neuhaus die Spieler in der Bringschuld. „Der Druck auf die Mannschaft ist enorm, aber ich kann und will ihr diesen nicht nehmen.“ Dass Dresden aus den vergangenen acht Spielen nur einen Sieg geholt hat und sich ebenfalls in einer prekären Lage befindet, will Neuhaus nicht gelten lassen. „Gefühlt ist der Druck bei uns um ein Vielfaches größer. So einen Auftritt dürfen wir uns nicht noch einmal leisten.“

Der Meinung ist auch Torsten Mattuschka. Ob Unions Kapitän in Dresden Wiedergutmachung betreiben kann, ist aber fraglich. Mattuschka litt in den vergangenen Tagen an Schüttelfrost. Von Beginn an wird er wohl nicht spielen können.

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