Unions Formschwankungen : Genauso schwach wie die Konkurrenz

In der zweiten Liga ist kaum ein Team beständig gut. Unions Formschwankungen sind symptomatisch dafür. Die Berliner gehen zufrieden aber nicht euphorisch in die Winterpause.

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Von wegen au Backe. Zum Abschluss des Jahres konnte sich Unions Trainer noch über einen Sieg gegen Bielefeld freuen. Foto: Imago
Von wegen au Backe. Zum Abschluss des Jahres konnte sich Unions Trainer noch über einen Sieg gegen Bielefeld freuen. Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Am späten Sonnabendnachmittag stapfte Uwe Neuhaus noch einmal in die Kabine. Das Spiel gegen Arminia Bielefeld war lange vorbei, die Zuschauer hatten das Stadion längst verlassen, und in den Katakomben wurde fleißig aufgeräumt. Nach einer kurzen Ansprache verabschiedete Neuhaus seine Spieler in die Ferien. Das Auslaufen einen Tag nach dem Spiel ersparte der Trainer des 1. FC Union seinen Fußballern dieses Mal. „Zufriedenstellend“ bezeichnete Neuhaus die ersten 19 Spiele der Saison 2013/14. Für ein euphorischeres Fazit seien „die Eindrücke aus den vergangenen Wochen noch zu gegenwärtig“.

Sechs Pflichtspiele in Folge hatte Union im November und Dezember nicht gewonnen, ehe ein 4:0 in Bochum und das 4:2 gegen Bielefeld einen versöhnlichen Abschluss brachten. Die Berliner werden bis zum 20. Spieltag der Zweiten Liga am 8. Februar auf Platz vier oder fünf bleiben. Punktgleich mit Karlsruhe, dem FC St. Pauli und den 1. FC Kaiserslautern, sofern der sein Spiel am Montag beim FC Ingolstadt gewinnt. Selbst der Zweite Greuther Fürth ist lediglich vier Punkte entfernt.

Es ist also noch alles möglich für den 1. FC Union, der Aufstieg in die Bundesliga bleibt ein realistisches Ziel. Wie aber lässt sich das Leistungsvermögen einer Mannschaft beurteilen, die sechs Spiele in Folge nicht gewinnt, der sieben Spiele hintereinander kein Tor aus dem Spiel heraus gelingt und die doch zu den offensivstärksten Teams der Zweiten Liga gehört? Weil sie nach Wochen der Krise einfach so achtmal in zwei Spielen trifft und sechs Punkte holt. „Ich werde über all das jetzt in Ruhe nachdenken, und dann werden wir eine Analyse betreiben“, kündigte Neuhaus an. Unions Trainer versuchte die Leistungsschwankungen so zu erklären: „Ich glaube, das hat etwas mit Selbstvertrauen zu tun. Wenn das einmal weg ist, gerät man schnell in einen negativen Strudel. Auf der anderen Seite genügt manchmal nur eine Aktion oder ein glückliches Ergebnis, um wieder obenauf zu sein.“

Die Ergebnisse und Auftritte von Union waren so unbeständig, dass sich die Frage stellt: Wie stark ist die Mannschaft wirklich? Kann sie bis zum Schluss um die vorderen Plätze mitspielen? Viel wird dabei vom Start im Februar abhängen. Und was die erste Frage betrifft: Union spielte genauso stark und genauso schwach wie die anderen Teams an der Spitze; Tabellenführer Köln einmal ausgenommen. Die Zweite Liga ist so ausgeglichen wie seit Jahren nicht mehr. Keine Mannschaft konnte ihr Leistungsvermögen beständig abrufen, Niederlagenserien wie die der Berliner hatten alle Spitzenteams durchzustehen. Nur so lässt sich erklären, warum Union mit sechs Niederlagen noch so weit vorn in der Tabelle ist.

„Wir haben vier oder fünf Wochen lang nicht die Leistung gezeigt, die uns für oben befähigt, und weit weg von jeglichen Aufstiegsambitionen gespielt. Das darf uns im neuen Jahr nicht noch mal passieren“, sagte Verteidiger Patrick Kohlmann, der nun wie seine Kollegen zweieinhalb Wochen frei hat, ehe es am 9. Januar wieder mit dem Training losgeht. Ab dem 14. Januar bereitet sich die Mannschaft im Trainingslager in Südspanien auf das erste Spiel am 8. Februar gegen Dynamo Dresden vor. Für den nächsten Tag steht ein Termin auch schon so gut wie fest: Auslaufen am frühen Morgen. Schwer vorzustellen, dass Uwe Neuhaus die Einheit dann noch einmal ausfallen lässt.

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