Sport : Unter den Reifen von Monaco

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Hartmut Moheit über das schreckliche Jahr für McLaren-Mercedes

Für Adrian Newey hat eine harte Zeit begonnen. Sie lässt dem gelernten Luftfahrt-Ingenieur kaum noch eine Chance, einen Formel-1-Grand-Prix live zu verfolgen. Als Chef der technischen Abteilung bei McLaren ist es seine vordringlichste Aufgabe, den Silberpfeil für die Saison 2003 zu einem Siegerauto zu entwickeln. Nichts anderes macht Newey in diesem Team seit 1997, nachdem er sieben Jahre lang für Williams gearbeitet hatte. In der Formel-1-Szene gilt Newey als Star-Designer, schließlich hat er schon Autos konstruiert, mit denen Weltmeistertitel gewonnen wurden. Doch seit drei Jahren klappt das nicht mehr. Ferrari, mit einer Vielzahl an Ingenieuren und dem genialen Fahrer Michael Schumacher, hat dem britisch-deutschen Team den Rang abgefahren. Sogar BMW-Williams ist das gelungen – jetzt wieder im Rennen auf dem Hungaroring –, und andere wie Renault oder Sauber sind nicht mehr so weit entfernt wie früher.

Auf dem Hungaroring wäre es dann fast zu einem richtigen Debakel gekommen. „Vergiss es!“, hatte David Coulthard schon vor dem Rennen gesagt, „vergiss es“. Schuld war die Gummimischung, die der Reifenhersteller Michelin für McLaren-Mercedes mitgebracht hatte – sie war zu hart. Vor allem beim Qualifikationstraining, wo es auf eine einzige schnelle Runde ankommt, kamen die Reifen nicht auf jene Temperatur, die den Silberpfeilen Haftung und damit Kraft hätte geben können. Die Plätze zehn und elf waren die Folge.

Dass McLaren-Mercedes mit dem einst erfolgsverwöhnten Team um Ron Dennis und Norbert Haug in dieser Saison hinterherfährt, war keine plötzliche Erscheinung, sondern vor allem die nachträgliche Auswirkung des Wechsels von Bridgestone zu Michelin – zu dem McLaren-Mercedes mehr oder weniger gezwungen worden war, weil Bridgestone dem Team nicht den gleichen Status wie Ferrari hatte zusichern wollen. Zu diesem Zeitpunkt aber war das Chassis bereits für die Besonderheiten der Bridgestone-Mischungen entwickelt worden. Zwar ist im Nachhinein vieles noch verändert worden, aber eine langfristige, parallele Entwicklung war nicht mehr möglich.

Erst für die kommende WM-Serie kann McLaren-Mercedes hoffen, den Rückstand wieder aufzuholen. Das Team kennt mittlerweile die Eigenschaften der Michelin-Reifen genauer, und Newey hat nunmehr mit seinem Team die Aufgabe, die Einheit herzustellen. Michelin steht vor der Aufgabe, die deutlichen Schwankungen in der Qualität zu beseitigen. Was in Monaco, beim Sieg von David Coulthard von der Poleposition aus, glänzend geklappt hatte, ging ansonsten oft schief. „Gebt mir die Reifen von Monaco!“, hatte Coulthard am Hungaroring gefordert. Aber sein Auto funktionierte nicht optimal. Im Rennen über die lange Distanz ging es dann für ihn und Räikkönen etwas besser. Auch durch die gute Strategie des Teams. Adrian Newey hilft das nicht mehr. Der Cheftechniker hat diese Saison abgehakt.

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