Sport : Unter Feinden

Vor dem Testspiel gegen Deutschland streitet Argentiniens Trainer Maradona mal wieder – diesmal mit Real Madrid und seinem Landsmann Valdano

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Ein Freund der großen Geste. Diego Maradona genießt seine Macht als argentinischer Nationaltrainer. Foto: ReutersX90087

Vor der Abreise nach München war Diego Maradona ein paar Tage in Madrid. Er hat dort den ersten Geburtstag seines Enkels gefeiert, eine angenehme Abwechslung nach all den Verschwörungen gegen ihn und die argentinische Nationalelf, die Maradona immer wieder gerne aufdeckt. Sein Schwiegersohn Sergio Agüero spielt für Atletico, auch das fügt sich gut, denn mit der lokalen Konkurrenz von Real Madrid hat Maradona nicht viel am Hut, seitdem dort wieder sein Landsmann Jorge Valdano als Sportdirektor das Wort führt. Gemeinsam haben sie 1986 in Mexiko die Weltmeisterschaft gewonnen, und da überrascht es schon ein wenig, dass heute der eine den anderen zum Feind des argentinischen Volkes erklärt. „Wir haben einen großen Feind bei Real“, sagt Maradona, „und dieser Mann heißt Valdano!“

Nun erklärt Diego Maradona gerne und vielen Leuten den Krieg, gerade erst hat ihm der Fußball-Weltverband Fifa wegen schwerer Beleidigungen für zwei Monate die Betreuung der Seleccion, der argentinischen Nationalmannschaft, untersagt. Am Mittwoch darf er in München beim Länderspiel gegen Deutschland wieder auf der Bank sitzen, aber die Lust am Streiten ist ihm keineswegs vergangen. Im konkreten Fall wirft Diego Maradona seinem Landsmann Valdano vor, er sabotiere die Seleccion, mithin das Heiligtum der Nation.

Es ist noch nicht so lange her, da war Real Madrid mit den argentinischen Nationalspielern Fernando Gago, Gabriel Heinze und Gonzalo Higuain eine wichtige Basis für den Nationaltrainer Maradona. Davon ist wenig geblieben, seitdem Valdano den gewohnt maßlos zusammengestellten Kader durch Verkäufe auf ein wirtschaftlich vertretbares Niveau reduzieren will. Erst wurde der Verteidiger Heinze nach Marseille abgeschoben, jetzt soll dem Mittelfeldspieler Gago ein Abschied mittels Degradierung nahegelegt werden. Gago durfte in dieser Saison erst fünfmal spielen, zuletzt am 10. Januar gegen Real Mallorca. „Ich finde es Ekel erregend, dass ein Argentinier einem anderen so etwas antut“, giftete Maradona bei einem Fernsehauftritt. „Erst kickt er Heinze raus, dann Gago, und mit Higuain kann er es nur deswegen nicht machen, weil er für Real mehr Tore schießt als Cristiano Ronaldo und Karim Benzema.“

Heinze und Higuain stehen im Aufgebot für das Spiel gegen die Deutschen, Gago ist in Madrid geblieben. Maradona hat ihn in einem persönlichen Gespräch darüber unterrichtet, dass es ohne regelmäßige Spielpraxis nichts werden wird mit einer Nominierung für die Weltmeisterschaft in Südafrika. „Zu 80 Prozent steht der Kader fest“, sagt der streitbare Nationaltrainer, gerade erst hat er sich mit der hohen Politik angelegt. Vor der Reise nach München ließ er die Regierung in Buenos Aires wissen, dass die Nationalmannschaft ein von der Staatspräsidentin persönlich arrangiertes Spiel zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit boykottieren werde. Der Termin am 24. Mai liegt ihm zu nah an der Weltmeisterschaft.

Das Spiel am Mittwoch in München (20.45 Uhr, live im ZDF) ist der letzte ernsthafte Test, wer keine Einladung bekommen hat, kann sich seinen Teil denken. Zum Beispiel Javier Saviola, das einstige Wunderkind des argentinischen Fußballs. Saviola spielt bei Benfica Lissabon so gut wie nie seit den Zeiten, da er mal als Maradonas Nachfolger gehandelt wurde. Der Trainer Maradona aber widmet ihm nicht annähernd so viel Beachtung wie dem bei Real Madrid ausgebooteten Gago. In seiner 15-monatigen Amtszeit hat er insgesamt 102 Spieler aufgeboten, Saviola aber kein einziges Mal. Alles eine Frage der Herkunft. Fernando Gago ist bei Maradonas Heimatklub Boca Juniors groß geworden, Javier Saviola kommt vom Erbfeind River Plate.

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