Sport : Unter Spannung

Ein Derby, zwei Ausrichtungen: Energie Cottbus will nach oben, Union nicht nach unten

Karsten Doneck

Berlin. Das Trikot von Marco Gebhardt taugte nicht mal mehr für die Altkleidersammlung. Der rechte Ärmel des guten Stücks hatte schon nach 20 Minuten nur noch in Fetzen an seinem Arm gehangen. Das zerrissene Hemd war letztlich Ausdruck eines leidenschaftlich und nicht immer fair geführten Fußballspiels. Dass später Frederic Page wegen einer heftigen Attacke gegen Torwart Tomislav Piplica die Rote Karte sah, und nach Spielschluss auch noch ein Disput zwischen Piplica und dem gegnerischen Trainer Mirko Votava fast in Handgreiflichkeiten ausartete, belegte deutlich: Im Derby zwischen dem 1. FC Union und Energie Cottbus kochen schon mal die Emotionen über.

Heute (20.15 Uhr, live im DSF) sehen sich beide Mannschaft zum Rückspiel im Cottbuser Stadion der Freundschaft wieder. Die Vorzeichen sind diesmal andere als beim 1:0-Sieg des FC Energie im Hinspiel. Am 10. August, bei der Begegnung an der Alten Försterei, suchten beide Mannschaften noch ihren Standort. Inzwischen, 17 Spieltage später, sind die Verhältnisse klar – und gegensätzlich. Cottbus kämpft um den Aufstieg, Union gegen den Abstieg. Wobei die Köpenicker nach ihrem 1:1 zum Rückrundenbeginn gegen Mainz 05 nicht mehr gar so schwarz in die Zukunft sehen. „Mit unseren drei Zugängen haben wir nun auch mehr Möglichkeiten“, sagt Mirko Votava, Unions Trainer. Der kleine Kader der Köpenicker konnte durch Tomas Brusko (Dynamo Kiew), David Siradze (Lok Tiflis) und Dian Popow (Fortuna Köln) erweitert werden. Ob die drei Neuen die Mannschaft auch verstärken, bleibt indes abzuwarten.

Votava wehrt sich allerdings heftig gegen den Verdacht, Union habe sich nur quantitativ verstärkt. Dass der Klub – entgegen den ursprünglichen Ankündigungen – keine gestandenen Spieler von den Bundesliga-Ersatzbänken holte, beunruhigt Votava keineswegs. „Ein Tomas Brusko ist doch schließlich auch kein Unbekannter, der ist immerhin U-20-Nationalspieler.“ Wer von den Neuen nun in Cottbus eine Chance erhält, entscheidet Votava erst heute. Auf jeden Fall muss er den nach fünf Gelben Karten gesperrten Spielmacher Thomas Sobotzik ersetzen.

Union wird sich gegen die Cottbuser erneut auf eine hitzige Partie einstellen müssen. „Hier muss sich niemand motivieren. Es knistert, und meine Spieler stehen unter Hochspannung“, kündigt der Cottbuser Trainer Eduard Geyer an. Die Lausitzer sind selbst verunsichert, haben sie doch zuletzt bei Eintracht Trier mit 0:2 den Rückrundenstart gründlich verpatzt. „Diesmal wird eine ganz andere Elf auf dem Platz stehen“, sagt Geyer. Was aber nicht heißt, dass er das Personal rundherum austauscht, nur die Einstellung wird eine andere sein.

Und vielleicht verläuft das Derby ja bei aller Rivalität doch in geordneteren Bahnen ab als das Hinspiel. Eine der großen Reizfiguren des Hinspiels steht jedenfalls nicht mehr auf dem Platz. Tomislav Piplica ist inzwischen von Georg Koch als Torwart Nummer eins abgelöst worden.

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